Staatstheater Darmstadt: "Frau Luna"

Die Operette "Frau Luna" des Komponisten Paul Lincke hatte Ende Januar am Staatstheater Darmstadt Premiere. Dann kam Corona und das Staatstheater hat seinen Betrieb kurzfristig ins Netz verlegt. Natascha Pflaumbaum hat sich den Mitschnitt der Aufführung angeschaut.

Dass das Darmstädter Haus diese Produktion abgefilmt hat, gehört heute einfach automatisch dazu?

Nein, eigentlich nicht. Das war Zufall. Der Regisseur Klaus Christian Schreiber hat in der Generalprobe drei Kameras aufgestellt und hielt wohl selbst noch eine in der Hand. Er wollte die Generalprobe aus dokumentarischen Gründen aufzeichnen. Normalerweise ist es so: Wenn man die Aufführung später wieder aufnimmt oder wenn es Einspringer gibt, will man sich genau an bestimmte Details erinnern, und macht dafür solche Mitschnitte. Dazu gab es noch einen protokollarischen Mitschnitt in der Premiere, sodass Schreiber im Prinzip fünf Kameras hatte.

Die Produktion ist total aufwändig. Es ist eine Ausstattungsoperette mit extrem vielen Kostümen, sehr schwierigen Kostümen auch, in denen sich die Sänger selten gut bewegen können. Da war es wichtig, das gut aufzuzeichnen. Und das kam ihm quasi per Zufall zugute.

Ist das jetzt einfach nur ein Operettenmitschnitt? Wahrscheinlich nicht, wenn so viele Kameras dabei waren.

Normalerweise sind bei den Hochglanzproduktionen von 3sat und arte sehr viele Kameras am Start, aber hier ist es etwas anders. Es ist tatsächlich ein hochwertiger Mitschnitt. Der Regisseur hat auch beim Film Regie geführt und wusste natürlich genau, was wichtig ist. Er hat das in drei Wochen tatsächlich auch so als Film zusammengeschnitten. Man sieht also das, was Klaus Christian Schreiber im Kopf hatte. Das Besondere an dieser Produktion ist: Das ist wie ein Livestream gemacht von Gamern, also von Leuten, die auf YouTube Videospiele spielen. Die spielen ein Spiel und blenden sich über einen kleinen Monitor an einer oberen oder unteren Ecke ein.

Hier ist es so, dass der Film gezeigt wird und der Regisseur und der Sänger des Steppke – Michael Pegher – kommentieren beide live das Geschehen über zwei Stunden. Sie sind eingeblendet und auf einmal sagt Michael Pegher: "Hey, jetzt komm ich gleich. Oh, da war ich aufgeregt!" Und das hat großen Charme. Man kann quasi in die Köpfe der beiden gucken.

Der Regisseur erzählt also, was er sich gedacht hat, und der Sänger kommentiert das, was gleich kommen wird?

Das ist zufällig, man hat also nicht den Eindruck, dass das jetzt Erklärfernsehen ist. Schreiber hat ja die Geschichte noch einmal neu verfasst, ins Jetzt verlegt. Eigentlich fliegen sie im Traum zum Mond und erleben dort eine fantastische Welt. Hier ist es so, dass der Steppke sich einen ESA-Flug vorstellt, weil das Ganze in Darmstadt spielt. Zum Beispiel muss er sich einen Raumanzug anziehen. Michael Pegher erzählt dann, wie schwer es ist, sich einen solchen Anzug anzuziehen und gleichzeitig zu singen. Was für eine Angst man hat, einen Knopf zu schließen, weil man denkt, man könnte den Knopf nicht rechtzeitig schließen, sodass man noch genügend Zeit zum Singen hat. Das ist richtig interessantes Theater-Insiderwissen.

Bekommt man denn dann noch etwas von der Aufführung mit?

In der Tat ist es ein bisschen zugequatscht. Die Aufführung lief ja bereits Ende Januar. Ich finde, man muss die Aufführung unbedingt noch einmal sehen. Und die Frage ist, ob man sie ohne die Kommentare ins Netz stellen könnte. Die Leute müssen unbedingt noch einmal ins Theater. Es ist eine Ausstattungsorgie. Es ist fantastisch gesungen. Man muss eigentlich niemanden hervorheben, weil es eine sensationelle Ensemble-Leistung ist. Das sieht man tatsächlich auch schon auf einem kleinen Handy, wenn man YouTube guckt. Ich bin der Meinung, man sollte – wenn  das Theater wieder anläuft – unbedingt da reingehen, sich aber jetzt für das ganze Hintergrundwissen den YouTube-Film anschauen. Dann hat man eine richtig gute Kombination.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 6.4.2020, 7:40 Uhr

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