Rachel Rose: Autoscopic Egg

Rachel Rose gilt als Shootingstar der Kunstszene. Dabei hat die 1986 geborene Künstlerin erst 2013 ihr Kunststudium abgeschlossen. Nach Einzelausstellungen unter anderem im Whitney-Museum of Art in New York wird ihr Werk auch dem deutschen Publikum vorgestellt - in Kassel.

Wie sieht denn die Kunst von Rachel Rose aus

Faszinierend! Rose hat Malerei studiert, ihre Abschlussarbeit an der Hochschule war aber ein Video. Und sie hat seither vor allem Filme produziert, die aber sehr unterschiedlich in ihren Schwerpunkten und in ihrer Ästhetik sind. In Kassel sind fünf Filme und ein Raum mit skulpturalen Arbeiten zu sehen. Außerdem hat die Künstlerin jeweils die Räume mitgestaltet.

Wie?

Der erste Film trägt den Titel "Lake Valley". Er ist eine künstlerische Reflektion auf Rachel Roses ungeheuer schnell verlaufende Karriere. In Interviews sprach sie davon, dass sie ganz schnell erwachsen werden musste und Verantwortung für diese Karriere übernehmen. Im Zuge dieser privaten Veränderung hat sie sich mit den Kategorien von Kindheit beschäftigt und recherchiert, seit wann es überhaupt das Konzept der Kindheit gibt und wie die Lebenssphären von Kindern und Erwachsenen getrennt sind. Sie hat dann Hunderte von Kinderbüchern studiert und dabei festgestellt, dass vor allem Themen wie Einsamkeit, Verlassenheit und Unverstandensein wiederkehrende Themen von Kindergeschichten sind. Daraus entstand eine filmische Collage.

Erzählt der Film eine Geschichte?

In gewisser Weise ja. Aber ohne Sprache. Man sieht das Leben in einem Einfamilienhaus, in dem tagsüber niemand anwesend ist und das Haustier alleine zurückbleibt und einsam ist. Und dann öffnet sich eine Wunderwelt, in die dieses Geschöpf eindringt: Farbintensive und verstörend schöne Bilder, die aber einen sehr traurigen Grundton haben. Der ganze Film ist animiert, wird auf einer großen, transparenten frei im Raum stehenden Leinwand präsentiert. Wenn man um sie herum geht und von hinten schaut, sieht man weiche bunte Farben, die an abstrakte Malerei erinnern. Vor der Leinwand ist ein gewaltig großer hochfloriger kuscheliger Teppich, der den Betrachter einlädt, darauf Platz zu nehmen.

Und der zweite Film?

Ein starker Kontrast dazu ist der Film "Everything an more" von Rachel Rose. Er beruht auf einem Interview mit einem Astronauten, in dem dieser seine Erfahrungen von Schwerelosigkeit im Weltall und der Körpererfahrung nach seiner Rückkehr auf die Erde schildert. Im Film wechseln Sequenzen, die Rose in einem Labor für Schwerelosigkeit drehen konnte mit abstrakten Sequenzen, die an kosmische Bilder denken lassen. Er oszilliert zwischen technisch abstrakten Sequenzen und privaten lyrischem, mystischen Gefühlen. Sie sagte sie wollte so nah wie möglich an die Leere kommen, die im Weltall oder im Bereich des Todes liegt.

Was macht Rachel Roses Werk so attraktiv?

Jeder Raum ist für jedes Werk gestaltet worden. Technisch perfekt gelöst, teilweise von einer schwebenden Schönheit. Die Themen von Rachel Rose behandeln die großen Fragen von Magie und Wissenschaft, Sterblichkeit und Tod, Verlustängsten und Entdeckungsfreude. Eine große Wirkung geht von den Arbeiten aus, die mich nachhaltig beschäftigt hat! Ich muss jedem Kunstinteressierten die Reise nach Kassel ans Herz legen, diese Ausstellung ist ein "must see" Unbedingt anschauen!

Rachel Rose
Museum Fridericianum
Kassel
bis 12. Januar 2020

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 5.11.2019, 7:30 Uhr

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