Satyricon - Oper Frankfurt

Oper gleich im Doppelpack gab es am Samstag im Bockenheimer Depot, der zweiten Spielstätte der Oper Frankfurt. "The Medium" von Gian Carlo Menotti und "Satyricon" von Bruno Maderna. Zwei Stücke, die in Frankfurt zum ersten Mal zu sehen waren. Und Kritiker Meinolf Bunsmann würde gleich noch ein zweites Mal rein gehen.

Neuland

10 von 11 Sängerinnen und Sängern hatten gestern ihr Rollendebüt. Und die Oper Frankfurt hat einen unglaublichen Aufwand betrieben. Die Bühnentechniker mussten nach der ersten Oper alles abbauen und ein komplett anderes Bühnenbild aufbauen. Das hat im Bockenheimer Depot gut 40 Minuten gedauert. Aber es hat sich so was von gelohnt, diese beiden Opern zu inszenieren. Spannend und herzzerreißend im ersten Teil (The Medium) - grotesk und komisch im zweiten Teil (Satyricon).

Zwei sehr unterschiedliche Opern

Die erste Oper "The Medium" ist ein Horror-Kammerspiel in einem düsteren New Yorker Wohnzimmer, in dem Madame Flora ihre Kunden empfängt und betrügt, indem sie ihnen in Séancen vorgaukelt, Verbindung mit toten Angehörigen aufzunehmen. Sehr aufwühlend und mitreissend.

Danach wird man in Bruno Madernas "Satyricon" nicht nur um fast 2000 Jahre zurückkatapuliert ins Alte Rom, sondern auch musikalisch und emotional in ganz andere Sphären geworfen. Da geht es in den Palast des Trimalchio. Ein ehemaliger Lustknabe, steinreich geworden, dekadent und triebgesteuert. Mit seiner Ehefrau Fortunata, seinen speichelleckenden Gästen und seinen drei Lustsklaven feiert er - und lässt sich feiern.

Kontraste statt roter Faden

Menottis Oper "The Medium" ist eher etwas rückwärtsgewandt, mit vielen melodiösen Anteilen und lyrischen Gesangsnummern. Fast ein bisschen süßlich. Menotti wurde ja vorgeworfen, 1946 immer noch wie Puccini zu klingen. Aber die Musik wird dann doch moderner und aufwühlend in den Momenten der Verzweiflung. Bei Madernas "Satyricon" ist das ganz anders: Elektronische Klänge vom Tonband wechseln sich ab mit Musik aus dem Orchestergraben. Die Musik von 1973 klingt wirklich sehr modern. Maderna verwendete die unterschiedlichsten Kompositionstechniken bis hin zum Zufallsprinzip.

Fazit

"The Medium" ist etwas fürs Herz, "Satyricon" etwas fürs Hirn. Erstere war mein Favorit. Beides zu bedienen, verspricht ein tolles Opernerlebnis. Mit tollen Sängern, Musikern und Dirigenten. Wenn ich Karten bekomme, dann gehe ich bestimmt noch ein zweites Mal hin.

Oper Frankfurt - Bockenheimer Depot:
The Medium / Satyricon

Weitere Termine:
Do 20. Juni
Sa 22. Juni
Mo 24. Juni
Do 27. Juni
Sa 29. Juni

Sendung: hr2-Kulturfrühstück, 17.06.2019, 7:30 Uhr

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