hr2-Kulturgespräch

Das größte Zugunglück in der Geschichte der deutschen Bahn fand im Dezember 1939 im sachsen-anhaltinischen Genthin statt. Zwei D-Züge rasten in der klirrend kalten Nacht frontal aufeinander zu. Wie das geschehen konnte, schildert der Autor auf atemberaubend präzise Weise. Doch bleibt Gert Loschütz natürlich nicht bei den Details des Unglückshergangs stehen. Wie es die Geschichte will, wurde der Schriftsteller selbst wenige Jahre nach dem tragischen Vorfall in Genthin geboren. Und so verbindet sich damit auch eine biografische Suche auf den Spuren seiner Mutter. Auf einer dritten Ebene des Romans erzählt er schließlich die Liebesgeschichte einer schwerverletzt überlebenden, jüdischen Zuginsassin. Gert Loschütz verbindet gekonnt Realität und Fiktion – und stellt mit diesem preisverdächtigen Roman einmal mehr seine Meisterschaft unter Beweis. Am 9. Oktober feiert der Autor – der mehr als 20 Jahre seines bewegten Lebens in Frankfurt verbrachte und bis heute beim Verlag Schöffling und Co. publiziert – seinen 75. Geburtstag.

Sendung: hr2-kultur, "Am Nachmittag", 01.10.2021, 17:15 Uhr