Fotos von Friedrich Wilhelm Voigt, des "Hauptmann von Köpenick", aus der Strafvollzugsakte

Der Schuhmacher Friedrich Wilhelm Voigt (1849–1922) wurde unter dem Namen "Hauptmann von Köpenick" deutschlandweit berühmt durch seine spektakuläre Besetzung des Rathauses der Stadt Cöpenick bei Berlin, in das er am 16. Oktober 1906 als Hauptmann verkleidet mit einem Trupp gutgläubiger Soldaten eindrang, den Bürgermeister verhaftete und die Stadtkasse raubte.

Vom Landgericht Berlin wurde Voigt schließlich "wegen unbefugten Tragens einer Uniform, Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, Freiheitsberaubung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung" zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, nach zwei Jahren von Kaiser Wilhelm II. begnadigt und am 16. August 1908 vorzeitig aus der Haftanstalt Tegel entlassen.

Als "Köpenickiade" ging Voigts spektakuläre Aktion sprichwörtlich in die deutsche Sprache ein. Und noch vor Carl Zuckmayers Stück wurde der Stoff von Varietés, Theater, Literatur und Film adaptiert.

Zuckmayers ebenso heitere wie tiefgründige Tragikomödie beleuchtet vor allem den Geist einer Zeit, in der die Uniform über den Menschen triumphiert, und macht deutlich, wie blinde Selbstgerechtigkeit schließlich zur Katastrophe des Ersten Weltkrieges führt. Zuckmayer selbst nannte den Geniestreich des Köpenicker Schusters "ein deutsches Märchen"; darauf nimmt das Hörspiel aus dem Jahr 1954 direkt Bezug, indem es den Erzähler durch Kommentare die legendenhaften Ereignisse ins rechte Licht rücken lässt.

Mit Paul Bildt, Friedrich Domin, Erika Riemann u.v.a.

Abbildung: Fotos von Friedrich Wilhelm Voigt, des "Hauptmann von Köpenick", aus der Strafvollzugsakte

Sendung: hr2-kultur, "Hörspiel", 02.01.2022, 22:00 Uhr