Podcast Zahlen und Schicksale - Christian Bocks "Stimmen der Stadt"

Statistik Symbolbild

"Die endlosen Zahlenreihen der Statistik einer großen Stadt geben ein getreues Bild der Wirklichkeit. Sie berichten über Technik und Kunst, über Wirtschaft und Verkehr, über die Zahl der Abgänge, der Zugänge und über die in Zahlen fassbaren Ergebnisse der Arbeit. Nicht aber berichtet die Statistik von den Menschen und ihren Schicksalen. Der einzelne verschwindet hinter endlosen Zahlenreihen", hieß es 1953 in der Programmankündigung zur Erstsendung von Christian Bocks "Stimmen der Stadt".

Christian Bock, den wir schon einmal in den Archivschätzen vorgestellt haben, war einer der produktivsten und meistgespielten Hörfunkautoren in den 1950er und frühen 1960er Jahren. Der Sohn eines Pastors aus Nordschleswig ist heute als Autor weitestgehend vergessen, stellt aber für seine Zeit eine große Besonderheit dar, begriff er doch die Unterhaltungskunst im Radio als kritische Begleitung der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Eine Besonderheit, da die Adenauerjahre sonst eher von Verdrängung und Vergessen geprägt waren. Angesichts einer rasanten materiellen Wohlstandsentwicklung wollten viele ihr belastetes Gewissen nicht mit der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und weltpolitischen Problemen oder der Erinnerung an moralisches Versagen und Schuld zusätzlich beschweren.

Anlässlich dieser Wiederaufführung spricht unser Redakteur Leonhard Koppelmann mit der Diplom Sozialwissenschaftlerin und Doktorandin der Sozialpsychologie Emma Halfmann über Statistiken und ihren Beschreibungswert in soziologischen und gesellschaftlichen Studien.

Sendung: hr2-kultur, "Archivschätze", 20.11.2021, 14:04 Uhr