Jan Gerchow

Frankfurt am Main gilt als liberale und freiheitlich orientierte Bürgerstadt. Doch stimmt dieses Bild? Unter dem Motto "Ein Stadt macht mit" geht das Historische Museum in einer Gesamtschau dieser Frage nach. Frankfurt war bereits vor 1933 nicht nur die Stadt der Demokraten und Linksliberalen, sondern auch von Nationalsozialisten geprägt. Es gibt viele Hinweis, dass wir die Geschichte unserer Stadt neu begreifen müssen. Wir sprechen mit Museumsleiter Jan Gerchow über die Konzeption und die Beschaffung der Ausstellungsstücke.

"Frankfurt und der NS" heißt eine Ausstellung des Historischen Museums, die am 9. November öffnet. Mehr als 75 Jahre nach der Befreiung der Stadt durch US-Truppen sind der Nationalsozialismus und sein Nachwirken wieder aktueller denn je. Das zeigen rechtsradikale Anschläge, Parteien und Propaganda. Das Historische Museum Frankfurt zeigt erstmals eine Gesamtschau über diese ereignis- und folgenreichen zwölf Jahre, einschließlich der Vor- und Nachgeschichte, in Form von drei Ausstellungen und einem umfangreich bebilderten Begleitbuch. Leitfragen der drei Ausstellungen sind: Wie sich die vor 1933 als liberal und demokratisch geltende Stadt mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil im Reich so schnell und radikal dem NS andienen konnte, und wie schleppend die Aufarbeitung danach verlief. Junge Besucher*innen werden besonders in der Ausstellung des Jungen Museums "Nachgefragt" angesprochen, die Ausstellung im Stadtlabor zeigt individuelle Zugänge zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der heutigen diversen Stadtgesellschaft.

Sendung: hr2-kultur, "Am Nachmittag", 06.12.2021, 17:15 Uhr