Ausstellung "Jetzt"

Gleich drei Ausstellungsorte – Bonn – Chemnitz und das hessische Wiesbaden zeigen junge Malerei aus Deutschland. "Jetzt!" heißt die Ausstellung – und sie erregt viel Aufsehen: von der Tagesschau bis zu den Titelblättern der zwei bedeutendsten deutschen Kunstmagazine. Das ist erstaunlich, denn es sind lauter junge, unbekannte Künstler! Doch das Aufsehen ist berechtigt.

Die Fülle ist überwältigend. Das ganze Haus, vom Keller des Museums Wiesbaden und bis in beide Flügel hängen insgesamt mehr als 150 Bilder. Die Ausstellung will bewusst keine Tendenzen heraus arbeiten, sondern in einem möglichst breiten Querschnitt die Gegenwart der Malerei abbilden und dabei möglichst viele verschiedene Positionen zu ihrem Recht kommen zu lassen. Das ist gut gelungen und spiegelt sich in einer großen Vielfalt.

"jetzt!" heißt "jetzt!"

Fast alle Arbeiten sind in den letzten zwei Jahren entstanden. Die Farbe ist quasi noch nicht trocken: man hat wirklich das Gefühl mit zu erleben, wie Malerei hier neu gedacht und befragt wird.

Abstrakt und figürlich - alles dabei!

Bunte, wilde Farbexplosionen auf großformatiger Leinwand hängen neben hyper-realistischen Tüchern und Gewändern, die so fein, fast schon altmeisterlich gemalt sind, dass man jede einzelne Faser des Gewebes sieht. Manche Gemälde wirken sehr poppig, erinnern mit ihren Knall- und Neonfarben an Graffiti in öffentlichen Toiletten - und sind auch tatsächlich auf Fliesen, statt auf Leinwand gesprüht. Andere Gemälde erinnern andie Pop-Art und Op-Art der 60er Jahre - und spielen z.B. mit Linien und optischen Täuschungen, dass einem vor der Leinwand schwindelig wird.

Die Künstler

53 Künstler, alle um 1980 geboren und in Deutschland tätig. Viele Kommen aus Berlin, aber auch aus dem Rhein-Main-Gebiet. Die Kuratoren haben bewusst keine etablierten Künstler gewählt, die Ihre Malweise, ihre "Marke", schon gefunden haben, sondern Künstler, die noch unfertig sind, suchen und die Malerei aktiv befragen. So zeugt auch die Ausstellung von einer großen Lust am Experiment! Die Ausstellung will hier keine "Top 50", keine zukünftigen Malerstars oder etwa einen neuen Kanon suggerieren - sondern eine Auswahl spannender Positionen anbieten. Eine sympathische, bescheidene Haltung, die funktioniert.

Fazit

Die Ausstellung in Wiesbaden bietet einen interessanten und sehr vielfältigen Querschnitt durch das, was gerade in den Ateliers junger Künstler in Deutschland im Entstehen ist. Natürlich ist da auch ein bisschen zu Poppiges, vielleicht sogar Kitschiges, dabei. Aber Größtenteils überzeugen die Positionen und Bilder in Konzept und Ausführung.
"Jetzt! Junge Malerei in Deutschland" beweist eindrucksvoll: die Malerei ist nicht tot! Im Gegenteil, sie ist sehr lebendig! Gerade heute, wo digitale Medien immer wichtiger werden und immer mehr unserer Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bildet diese Schau einen wichtigen Gegenpol!

Mehr zur Ausstellung im Interview mit der Kuratorin Lea Schäfer vom Museum Wiesbaden

"Jetzt! Junge Malerei in Deutschland"
bis 19.1.2020
Museum Wiesbaden
Mehr Informationen zur Ausstellung

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 20.9.2019, 7:30 Uhr

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