Kübra Gümüşay

Die Autorin, Rednerin und Aktivistin Kübra Gümüşay schreibt und referiert zu den Themen Internet, Politik, Feminismus und Rassismus. Ihr Buch "Sprache & Sein" ist gerade bei Hanser erschienen. Ihr Vortrag ist überschrieben mit "Zweifeln, Zögern, Zukunft – wie freies Sprechen möglich wird".

Frau Gümüşay, welche Freiheit meinen Sie angesichts wachsender Hetze im Netz?

Wir kommen gar nicht mehr dazu, die Fragen der Zukunft konstruktiv zu diskutieren, zu zögern und öffentlich zu zweifeln, weil wir uns ständig positionieren müssen. Wir können keine Fragen mehr stellen, die uns selbst auch nicht bequem sind, weil wir permanent damit beschäftigt sind uns gegen die Extreme in Stellung zu bringen. Haltung ist ungemein wichtig in einer Demokratie - aber wenn Haltung permanent stattfinden muss, wenn man Energie dazu aufwenden muss, dass alles nicht noch schlimmer wird, dann stagnieren wir als Gesellschaft. Das Anhandenkommen der Räume, in den wir zweifeln und Zukunft denken können, ist ein eklatantes Problem.

Das Internet ist ja im Idealfall solch ein Raum, der jedem zugänglich ist...

Prinzipiell ist es dort möglich, dass dort Menschen in einen konstruktiven Austausch kommen, öffentlich lernen, Fehler machen, aus ihren Fehlern wachsen. Aber Plattformen begünstigen leider auch eine destruktive Diskurskultur. Es entstehen künstliche Fronten, wir hören auf miteinander zu diskutieren, weil es uns wichtiger erscheint, dass wir uns gegen etwas positionieren. Wenn wir damit nicht aufhören, werden wir zu tieferen Gräben beitragen.

Die Fragen stellte Anna Engel
Sendung: hr2-kultur, Kulturfühstück, 19.3.2020, 8:45 Uhr

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