Kulturlunch 19/20 Countertenor Andreas Scholl und Pianistin Tamar Halperin

In Kiedrich lebt das Künstlerpaar in einem modernen Anbau im Hinterhof, wenn sie nicht auf Tournee irgendwo in der Welt unterwegs sind. Aber jetzt ist Lockdown, weltweit. Alle Konzerte sind abgesagt. Und das trifft dann auch internationale Stars wie Andreas Scholl und seine Frau Tamar Helperin.

"Solange keine Konzerte stattfinden, verdienen wir beide nichts."

Man merkt Andreas Scholl an, dass ihm dieser finanzielle Engpass ziemlich an die Substanz geht. Er wirkt angespannt. Aber warum? Ein internationaler Star wie er hat doch bestimmt was auf der hohen Kante.

"Ja natürlich, wir haben Geld gespart."

Aber investiert, in vier Platten, die das Paar aufgenommen hat. Denn CDs oder Platten machen schon lange nicht mehr die Plattenfirmen, sondern die Künstler finanzieren das selbst. Quasi als musikalische Visitenkarte, mit Opernhäuser und Konzertveranstalter aufmerksam gemacht werden. Und nur mit den Aufführungen verdienen sie wirklich Geld.

Aber es ist nicht nur das Finanzielle, das Andreas Scholl zu schaffen macht:

"Meine Eltern haben einen Obst- und Gemüsehandel gehabt, da ging's immer ums Geschäft und hart arbeiten. Dazu noch katholisch erzogen, das heißt, wenn ich einen Tag nix gemacht hab produktiv, dann fühl ich mich schon mal schuldig. Weil eigentlich muss ich doch was tun, ich muss doch aktiv sein."

Tamar Harperins Problem ist ein anderes:

"Ich vermisse sehr, mit andere Leuten zu musizieren und dieses Gefühl in einem Raum mit 500 Leuten, 1.000 Leuten zu sein, zusammen zu atmen und Musik zu machen, das ist mein Leben und das vermiss ich natürlich."

Andreas Scholl will wie so viele andere Künstler jetzt online gehen. Es weiß, dass damit womöglich kaum Geld zu machen ist. Aber darum geht es nicht, betont der Countertenor. Es geht ums Miteinander, und ja, auch ums gesehen werden.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 12.5.2020, 16:05 Uhr - 18:00 Uhr

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