Severin Groebner

Severin Groebner erinnere sich vage an den Alltags-Rhythmus vor dem Lockdown: Donnerstags ging's mit dem Zug los, dann das Wochenende über Auftritte in ganz Deutschland - von Niedersachsen bis Bayern, gern auch mal in Österreich und am Montag ging's zurück nach Frankfurt. Dazwischen war Zeit für seinen kleinen Sohn und wenn der in der Kita war, auch für all seine Ideen.

"Das ist ein Rhythmus von dem ich feucht träume. Ja, der Künstler wird zurückgeworfen auf die nackte Existenz."

Denn seit Wochen schmeißt der Kabarettist jetzt den Haushalt und bespasst seinen vierjährigen Sohn, während seine Frau im gemeinsamen Arbeitszimmer hochkonzentriert von einer Telefonkonferenz zur nächsten schaltet. Sie also arbeitet, aber er langweilt sich nicht.

Langeweile in der Krise gibt es bei ihm nicht.

"Ich hab jetzt Brotbacken gelernt und ich kümmer mich um meine Tomaten, aber das sind halt alles so Überbrückungsmaßnahmen. Ich hab auch einen Videoblog ins Leben gerufen."

Und der heißt passenderweise Dekamerone 2020, frei nach dem Werk von Boccacio, in dem mehrere Leute während der Pest 10 Tage isoliert sind und sich lustige Geschichten erzählen. Das tut Severin Groebner jetzt auch und schon länger als 10 Tage. Manchmal rapt er auch in seinen Folgen, oder experimentiert mit kruden Geräuschen.

Severin Groebner scheint vor Ideen fast zu platzen. Aber der Videoblog oder auch der Podcast, den er mit Satiriker Uli Höhmann macht, das sei vor allem Marketing, falls es je wieder Auftrittsmöglichkeiten nach Corona gibt und noch mehr.

"Erstens dass du noch weißt, wer du bist, ja, ich bin Humorist, ja, ich kann gute Geschichten erfinden, ja, ich kann des noch, super. Zweitens, dass du nicht ganz verrückt wirst."

Das aber ist kein Vergleich mit einem Auftritt auf einer richtigen Bühne. So richtig Geld verdienen kann er damit auch nicht. Denn bisher hat er keinerlei finanzielle Unterstützung bekommen und von der Kulturförderung des Landes, die man ab 1. Juni beantragen kann, erwartet er auch nicht viel. Nicht für die Künstler und schon gar nicht für die Bühnen.

"Wenn wirs überleben, ja schön, aber überlebt's unsere Infrastruktur?"

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 15.5.2020, 16:05 Uhr - 18:00 Uhr

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