Rolf Silber

Rolf Silber sitzt auf einem großen, grünen Ball, der Schreibtisch vor ihm ist vollgepackt mit technischem Gerät und Kabeln. Über ihm schwebt an einem Schwenkarm ein großes Mikrophon, vor ihm sind zwei große Bildschirme aufgebaut. Auf dem rechts läuft gerade ein Film ab, bei dem links zeigen viele bunte Balken verschiedene Bild- und Tonspuren an. Und der Regisseur Rolf Silber schiebt diese Balken vorsichtig hin und her. Eine eher ungewöhnliche Arbeit für einen Regisseur.

"Wir haben die Dreharbeiten Mitte Februar fürs ZDF beendet, ein Neunzig-Minüter, der nächste Weihnachtsfilm, und nehmen jetzt die Musik ab. Normalerweise sitze ich mit meinem Komponisten zusammen im Studio, jetzt reden wir halt über Skype und über Email. Er schickt mir was, ich schick was zurück und muss dann selbst ein bisschen was schneiden. Also das ist anders."

Und auch komplizierter, verrät er mir beim Kaffeemachen. Wenn zum Beispiel vor Corona alle Sprecher sich für die Synchronisation in einem Studio getroffen haben, sitzt jetzt jeder woanders, der eine in Kassel, einer in München und einer in Frankfurt. Dadurch dauert alles länger, ist umständlicher. Aber machbar, sagt Rolf Silber, reicht mir die Tasse und lotst mich auf die kleine Dachterrasse mit Blick über die Dächer von Frankfurt.

Erstaunlich. Diesen Mann da mit blau-weiß-geringeltem T-Shirt und den grauen Haaren scheint die Krise gar nicht zu belasten. Rolf Silber: "Dass man zwischendurch in so eine Art Lockdown-Situation kommt, ist sozusagen in dem Job normal und ich hab mich über die Jahre daran gewöhnt." Denn er war schon immer Freiberufler. "Frei wie ein Vogel", sagt er und lacht. Er hat immer zweigleisig gearbeitet als Regisseur und als Drehbuchautor mit einer Mischkalkulation.

Er lässt den Blick schweifen. Trinkt einen Schluck Kaffee. Und gibt dann zu, dass er sich mit seinen 66 Jahren trotzdem Sorgen macht. Speziell was seine Arbeit beim Film betrifft: "Es kommt ein Aspekt hinzu, vor allem für Darsteller, aber auch für Regisseure: Eventuell gibt es jetzt ein Versicherungsproblem, weil man zur Risikogruppe über 60 gehört. Die Produktion muss Sie ausfallversichern, falls Sie zwischendurch krank werden. Es werden ja jetzt schon Leute rausgeschrieben aus Sachen."

Rolf Silber dreht sich jetzt zu mir. Schaut mir direkt in die Augen. Er sei bestimmt nicht zynisch, aber diese Pandemie-Situation sei fürs Drehbuchschreiben schon auch inspirierend. Denn Corona, da ist er sich sicher, fließt garantiert jetzt in viele Filmplots mit ein.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 22.5.2020, 08:45 Uhr

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