Malerin Shirin Donia

Wir sind in der 11. Woche, das heißt: Seit jetzt etwa 70 Tagen haben wir mit den Beschränkungen durch das Corona-Virus zu tun. Klar, von Lockdown kann und konnte nicht die Rede sein, immerhin haben Restaurants wieder geöffnet, wir können wieder Leute treffen...aber da ist immer noch die Sache mit der Distanz. Und speziell für die Kunstszene wirkt sich diese Auflage gravierend aus. Zwar öffnen die ersten Museen wieder, aber viele Galerien bleiben nach wie vor geschlossen. Und was machen unsere Kulturschaffenden? Sind seit Wochen ohne Einkommen. Aber nicht alle, denn beispielsweise die Malerin Shirin Donia hat sich in Neu-Isenburg einiges einfallen lassen.

Ja, es ist nicht zu übersehen, hier, in diesem kleinen Hinterhofatelier hat die geballte Schaffenskraft von Shirin Donia gewütet. Überall auf dem Boden stehen oder liegen Flaschen mit Acrylfarbe herum, Spraydosen oder Zeitungsschnipsel. Und an jeder freien Wand lehnen verschieden Bilder der neuen Serie. Frauenfiguren. Mit grellen Neonakzenten oder Goldglitter.

Es ist mixed media, ich verarbeite verschiedene Materialien zusammen, der Untergrund ist meistens Zeitung, aber auch Geschenkpapier und Bücher und dann ist es bemalt, mit Acryl. Der Stil ist tendenziell schon in Richtung Pop Art würd ich sagen, aber so richtig Pop Art ist es auch wieder nicht.

Wir stehen vor einem überdimensionalen Frauengesicht. Intensive grüne Augen schauen mich an, aus einem knallig roten Streifen, der sich waagrecht über das Gesicht zieht. Schon ein bisschen wie eine Maske...Also doch eine Corona-Anspielung? Shirin Donia schüttelt erst den Kopf, ihre Hand scheint den Gedanken wegwischen zu wollen, aber dann bleibt ihr Blick an einer Stück Zeitungsuntergrund hängen, der am Hals der Frauenfigur durch die Farbe schimmert. Teile einer Schlagzeile...

 "Covid 19"...

Aha, Corona ist also doch mit drin? Aber es sei kein Sujet, kein Thema, es sei eher so ein Zufallsprodukt, sagt Shirin Donia. Beim Tee in ihrer Wohnung verrät mir die Künstlerin, warum sie und ihre Bilder von all den Beschränkungen im Lockdown eigentlich gar nicht betroffen sind

Im Grund habe sich für sie jetzt "nicht so wahnsinnig viel geändert", denn ihre Bilder verkaufen sich nach wir vor prächtig. Obwohl man für ein Original mindestens 3.000 bis 5.000 Euro zahlen muss. Und die Großformate schon auch mal fünfstellig werden können.

Allein in diesem Monat hab ich nach Japan ein Bild verkauft, nach Australien, London, USA, also wirklich international, und dann hab ich natürlich auch "Kernkunden", die auch sehr häufig "Wiederholungstäter" sind.

Shirin Donia schnippt eine braune Haarsträhne aus dem Gesicht, sitzt jetzt ganz aufrecht und wirkt ziemlich zufrieden, ja, schon auch stolz. Gar nicht mal so sehr wegen der verkauften Bilder, sagt sie, sondern weil sie sich schon früh, lange vor der Pandemie, weitestgehend unabhängig vom üblichen Kulturbetrieb für bildende Künste gemacht hat.

Ich glaube, wenn du als Künstler stark mit Galerien zusammenarbeitest, und diese Galerien dann momentan zu haben oder hatten, dann is es natürlich blöd, weil dein Verkaufsinstrument weggefallen ist. Das is jetzt bei mir nicht so, ich mach das meiste online.

Und im Internet gibt es eben keinen Lockdown. Trotzdem, einen kleinen Dämpfer hat die pfiffige Künstlerin doch einstecken müssen. Sie hätte jetzt am Samstag im Palais Thurn und Taxis eine schöne große Vernissage mit geplanten 600 bis –800 Leuten gehabt. Klar, das sei schade. Ihre Vernissagen seien nämlich immer eine verrückte, wilde Party mit Performance und Musik und viel Spaß... aber ein Beinbruch sei das nicht. Shirin Donia lacht selbstbewusst:

Ich möchte - gerade weil die Welt durchaus viele negative Seiten hat und teilweise beängstigend ist - deswegen möchte ich, dass man ein positives Gefühl hat, wenn man meine Bilder anguckt!

Hier geht es zur Website von Shirin Donia

 Sendung: hr2-kultur, Kuluturcafé, 26.5.2020, 16:30 Uhr

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