Thomas Ruff, phg.05_II, 2012

Wohin geht die fotografische Entwicklung?, fragt die Kunsthalle Darmstadt. Die neue Ausstellung präsentiert 12 Künstler der Gegenwart und zeigt auf, wie aktuell die Ansätze des Bauhauses heute noch sind.

Der stärkste Eindruck?

Viele der Fotografien gehen an die Grenzen dessen, was man sich im Allgemeinen unter Fotografie vorstellt. Es gibt sehr viele abstrakte Bilder, die Fotografen lehnen sich stark an die Malerei an und suchen den Dialog. Wir sehen große, vollkommen abstrakte geometrische Farb-Form-Erscheinungen: Kreise, Spiralen, Kugeln, Kristalle, Licht-Schatten, weiche Übergänge – Effekte wie bei Negativen, oft rein am Computer entstanden, trotzdem Bilder aus Licht. Wir haben es mit Grenzgängen zu tun.

In welcher Weise beziehen sich diese Künstler auf das Bauhaus?

Häufig sehr unmittelbar und konkret. Thomas Ruff etwa zitiert mit seiner gewaltige Spirale eines der berühmtesten Fotogramme von Lálzló Moholy-Nagy aus dem Jahr 1922. Taiyo Onorato und Nico Krebs haben ein Zitat von Lázló Moholy-Nagy wörtlich genommen. Da heißt es: "Der Feind der Fotografie ist die Konvention." Das Künstlerduo hat eine Reihe von Maschinen entwickelt, die leuchten und sich dabei um ihre eigene Achse drehen und eine Art von Lichtskulpturen schaffen. Oder Dominik Schmitt, der Fotos ohne Kamera erstellt. Durch Belichtungen direkt auf das Fotopapier, bzw. auf die Emulsion. Ähnliche Experimente hat es auch am Bauhaus vor 100 Jahren gegeben.

Ein Merkmal des Bauhauses war der politische Ansatz, dass Professoren, Meister und Studenten gemeinsam an Projekten arbeiteten. Wird diese Idee in der Ausstellung aufgegriffen?

Tatsächlich sind drei Generationen von Künstlern präsent: Die historischen Vorväter und -mütter Lucia und Lázló Moholy Nagy, die aktuellen Künstler, die bekanntesten Thomas Ruff und Wolfgang Tillmanns - und Studenten der Hochschulen in Darmstadt und Nürnberg. Wer Student und wer fertiger Künstler ist, ist auf den ersten Blick nicht sichtbar. Oft werden Bezüge auf den zweiten erkennbar. Die Erzähllinie ist aber aus der Rückschau auf den Beginn der Moderne über eine Bestandsaufnahme gegenwärtiger Positionen hin zu der jungen Generation, die heute in ihren 20er ist.

Also ein gelungener Bogen?

In jedem Fall, eine der interessantesten und vielfältigsten Ausstellungen zur Fotografie in den letzten Jahren!

Kunsthalle Darmstadt
Bauhaus und die Fotografie. Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst
bis 5. Januar 2020

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 30.09.2019, 7:30 Uhr

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