Hans Fallada: Warnung vor Büchern hr2-Lesung

Vor der wirklichen Welt lernte Hans Fallada die Welt der Bücher kennen. Er war ein kränkliches Kind und wurde vom Vater zur Genesung stets mit Lesekost versorgt. In welche existentiellen Schwierigkeiten die Bücher ihn aber auch brachten, davon erzählen die überwiegend autobiografischen Texte, die von der Mitte der 1920er-Jahre bis zu seinem Tod 1947 reichen.

"Otsches Fluchtbericht"
Fallada selbst war mehrfach in Haft, aus politischen Gründen im NS, aber auch schon zuvor, nämlich in Folge seiner Morphin- und Alkoholsucht. Auch im Gefängnis beobachtete Fallada seine Umwelt genau und schlüpfte später in die Rolle des Berichterstatters. So in "Otsches Fluchtbericht". Seine realitätsnahe Erzählweise erzeugt Empathie für die geschilderten Schicksale.

"Bei uns, in der Kleinstadt"
Hans Fallada arbeitete zwischen 1928 und 1930 beim Fremdenverkehrsverband von Neumünster. Zugleich war er Anzeigenwerber und Reporter für die Tageszeitung General-Anzeiger – und engagierte sich bei den Guttemplern und bei der SPD. Seine literarische Miniatur über das schleswig-holsteinische Städtchen ist überschrieben: "Bei uns, in der Kleinstadt".

"Auch eine Kriegsgeschichte"
"Auch eine Kriegsgeschichte" heißt die letzte Kurzgeschichte von Hans Fallada in unserer Auswahl aus dem Reclam-Band "Warnung vor Büchern". Sie erzählt von der Liebe einer Frau zu einem jungen Soldaten. Ein Beispiel, wie sensibel der Autor die Wirklichkeit beobachtete und wie es ihm immer wieder gelang, mit wenigen Strichen welthaltige Geschichten zu entwerfen.

Sendung: hr2-kultur, Lesung, 14.01.2022, 9:05 - 9:30 Uhr.