Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Masken, Desinfektionsmittel, zwei Meter Abstand und ein lichtes Publikum von 200 Musiklieber*innen: Trotz allem wird dieser Abend in bester Erinnerung bleiben. Denn hier singt ein Sänger seine Musik, hier ist ein Sänger so eins mit dem, was er am besten kann. Hätte sich Richard Wagner einen Sänger für seine Opern wünschen können, er hätte Günther Groissböck erfunden.

Für Wiesbaden hat der Bass einen Liederabend mit Liedern von Franz Schubert, Carl Loewe und Gustav Mahler zusammengestellt, dennoch war die Zugabe, Akt III, Szene 3 aus Richard Wagners Oper "Siegfried" das Highlight des ganzen Abend. Als wäre der Liederabend ein einziges langes Vorspiel gewesen, um endlich den Wotan singen zu können, mit dem Günther Groissböck in diesem Jahr in Bayreuth debütiert hätte. In diesen acht Minuten Zugabe war Günther Groissböck ganz in der Rolle, ganz im Bayreuth-Modus und ganz bei sich.

Ein Kommentar auf unsere Zeit

Jedes der Lieder, das er zuvor sang, erschien tatsächlich wie eine kleine Wagner-Arie: Groissböcks Vokalfärbung, sein messa di voce, seine Phrasierung, seine gigantische hoch geschnürte Brustatmung, ja, sein Wagner-Wobble, der die Stimme weit hinaus in das Foyer trug – alles das war eine einzige Reminiszenz an Wagner.

Der Sänger verausgabte sich schwitzend, Alexandra Goloubitskaia, die ihn am Klavier kongenial begleitete, spielte, als hätte sie 1000 Hände. Das Programm: Ein Kommentar auf unsere Zeit, eine Hymne auf das Göttliche, Trost und Hoffnung zugleich. Dazu las Uwe Eric Laufenberg zeit- und sozialkritische Texte. Nüchtern und unprätentiös. Ein absolut unnormaler Abend. Und darum extrem gut!

Wiesbadens Intendant Uwe Eric Laufenberg hat ein Ersatzprogramm für die Internationalen Maifestspiele installiert. Mehr Informationen und das Ersatzprogramm bis zum 6.6.2020 unter www.staatstheater-wiesbaden.de

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 19.5.2020, 7:30 Uhr

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