Gustav Mahler, Radierung von Emil Orlik, 1902

Mahlers Sechste ist das am meisten dramatische und pessimistische Werk Mahlers. Die ersten fünf Sinfonien Mahlers enden alle positiv: im Triumph der Liebe beispielsweise oder in der Auferstehung. Am Ende steht immer ein Sieg. In der sechsten Sinfonie überwiegt die Niederlage. Und dabei stammt dieses erschütternde Werk aus einer für Mahler glücklichen Zeit. Die Ehe mit seiner Frau Alma war damals konfliktlos und glücklich, die zweite Tochter war gerade zur Welt gekommen. Wie ein düsterer Leitfaden liegt über der gesamten Sinfonie ein musikalisches Motto: Einsamkeit, Schicksal und Niederlage bestimmen den Charakter des Werks. Mahler selbst hat seine sechste Sinfonie als tragisch charakterisiert. Sie ist durchzogen von orchestraler Gewalt, sehnsüchtig, dunkel und bitter. In dieser Sinfonie liegt die Andeutung des Eingreifens von etwas Übermächtigem, etwas Schicksalhaftem, gegen dessen niederschmetternde übernatürliche Wirkung der Mensch nicht mehr ankämpfen kann. Das Scheitern erfolgt – nach langem Kampf – im Finale der Sinfonie. Die gesamte musikalische Entwicklung ist auf dieses Ende angelegt, was die gewaltigen Ausmaße des Finalsatzes erklärt – er dauert fast eine halbe Stunde.

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