Julia Voss, Kuratorin von "documenta - Politik und Kunst"

Die erste documenta 1955 in Kassel gilt als bedeutendes Zeichen für den Neubeginn in der Nachkriegszeit, steht für Aufbruch und Weltoffenheit. Doch der Kunstgeschichtler Werner Haftmann, Leiter der ersten drei Ausstellungen in Kassel, setzte bei der Künstlerauswahl die Verdrängung der jüngsten Geschichte fort. Wie er seine Täterschaft im Nationalsozialismus verdeckte und ein zweites Mal jüdische Malerinnen und Maler aus der Kunstgeschichte verbannte, das zeigt gerade die Ausstellung "documenta. Politik und Kunst" im Deutschen Historischen Museum Berlin (Katalog bei Prestel). Die Schau fokussiert die deutsche Geschichte im Blick auf die ersten zehn Weltkunstausstellungen in Kassel, und zeigt zum Beispiel auch, wie der sozialistische Realismus in der DDR ausgeklammert wurde. Über das Wechselspiel von Politik und Kunst und über ideologische Fesseln der freien Kunst im musealen Kontext geht es im Gespräch mit der Ausstellungskuratorin Julia Voss.

Sendung: hr2-kultur, "Am Nachmittag", 16.07.2021, 17:15 Uhr