Kunst im Freien - Skulpturenpark Eschborn

Zeitgenössische Skulptur im Freien – das kann man schon seit vielen Jahren regelmäßig in Eschborn erleben. Bereits seit 20 Jahren wird hier regelmäßig Kunst ausgestellt und immer wieder auch großzügig angekauft. So hat sich der Skulpturenpark Eschborn entwickeln können.

Ich habe Glück: Gerade heute wird die neue Sommerausstellung des Skulpturenparks in Eschborn aufgebaut. Insgesamt 13 Skulpturen der beiden Bildhauer Reiner Seliger und Thomas Reifferscheid werden gezeigt. Die beiden Künstler sind gekommen um letzte Hand anzulegen. Thomas Reifferscheid will eben seine Arbeit "Waagerechte Balance" aus ihrer Transportbox packen, als ich zu ihm stoße. Ich sehe die lange, schlanke Form aus tiefschwarzem Stein:

"Also, das Gestein gehört zur Basaltfamilie, ganz genau ist das ein Mikrograboit, das bedeutet, das stammt aus der Tiefe des vulkanischen Gangs, und ist der Teil, der in Kontakt mit der umgebenden Gesteinsmasse erkaltet ist. Das ist ein sehr schönes, sehr dichtes Material und wenn man eben so fragile Formen macht, wie ich das tue – heute Morgen hat jemand gesagt, ach das ist ja so ein ganz schmaler Propeller, damit man so ne Vorstellung hat - dann braucht man ein Material, das sehr gute technische Werte hat."

Ein Propeller ist ein ganz guter Vergleich – man könnte auch an ein Pappel oder ein Ruder denken. Eine bestimmt zwei Meter lange, elegant gebogene Form. Sie erscheint fließend und organisch. Erstaunlich, denn der Basalt ist extrem hart. Thomas Reifferscheid liebt den Widerstand und empfindet es wie mit der Begegnung mit Menschen: "Es fordert, aber es fördert eben auch das Beste zu Tage." Auch die Präsentation im Skulpturenpark von Eschborn fördert das Beste in den Skulpturen zu Tage. In dem schwarzen Basalt spiegelt sich der Himmel und die Sonne. Die Farbe des Stein verändert sich mit dem wechselnden Licht. Der Stein schwingt sich dem Horizont entgegen – man hat beinahe das Gefühl, die Skulptur könne atmen.

Aktuelles und schon da Gewesenes

Neben der Sommeraustellung gibt es hier in Eschborn auch die ständige Sammlung von Skulpturen zu sehen. Sie stehen teilweise vor hohen Wiesen und gehen eine organische Verbindung mit der Natur ein. Elegant und abstrakt schwingt sich die Arbeit von Axel Anklam gen Himmel. Expressiv figürlich dagegen die  wuchtigen weiblichen Akte von Dieter Klinge. Verschreckt scheint die Gruppe Rehe von Dana Meyer über das Feld zu flüchten. Geheimnisvoll archaisch erscheint eine Figurengruppe von Stepan Guber. Die Bandbreite der zu sehenden Materialien ist groß: Stein, Bronze, Edelstahl und Holz. Sie alle gewinnen durch die Aufstellung unter freiem Himmel. Allerdings birgt diese Form der Präsentation auch besondere Herausforderungen. Thomas Reifferscheidt erklärt:

"Bei Hitze baut sich extrem viel Spannung im Stein auf. Und wenn man dann Steine hat, die sehr lang sind und schmal auslaufen, dann möchte man nicht, dass die Sonne und ein plötzlicher Sturzregen, diese Schwankungen, wirklich was mit dem Stein machen."

Auch Rainer Seliger ist heute ein Eschborn und begutachtet seine frisch aufgestellten Skulpturen, die rot in der Sonne leuchten. Die großen runden und tropfenförmigen Körper bestehen aus vielen kleinen gemauerten Teilen.

"Das ist Ziegelstein, ein ganz spezieller, nämlich Abfall, also ich arbeite mit Recyclingmaterial und just diese Skulptur, die hier vor uns steht, ist aus Dachziegeln gebaut, aus fast hundert Jahre alten Dachziegeln, die mal der Sturm 'Lothar' vom Dach gefegt hat."

Rainer Seliger hat die Ziegelsteine gebrochen und geschichtet. Das an sich so harte und industriell hergestellte Material erscheint in seinen Skulpturen lebendig und vielseitig. In Eschborn stehen Skulpturen, die aus modernen Lochziegel bestehen, andere sind aus italienischem Terrakotta gefertigt. Ihnen allen gemein ist die runde Form. er hät es mit organischen Naturformen, die wie aus dem Boden gewachsen daherkommen. Wie gewachsene Objekte in der Landschaft in der Regel rund sind. Die Kegel und Kugeln von Rainer Seliger sind sehr stabil, sie haben ein Stahlgerüst und gemauerte Kuppeln. Bei aller Verschiedenheit jedoch sind sie ganz deutlich miteinander verwandt:

"Ich kann sagen, das ist jetzt sehr schnöde, aber – mal dicker, mal dünner. Es  ist natürlich viel sensibler, als ich es jetzt ausgedrückt habe, man muss es eigentlich sehen, man muss herkommen und das ansehen und schnuppern und empfinden und dann auch liebhaben. Kann man schwer beschreiben."

Sendung: hr2-kultur, ab 6.7.2020

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