Montalvo: Chin

James Tenney schuf 1961 seine erste computergestützt erzeugte Komposition "Analog #1: Noise Study". Anstoß dazu gaben ihm die Verkehrsgeräusche während der täglichen Fahrt von New York nach New Jersey, die er nachbildete. Das unmittelbar anschließende Stück „Atmosphères“ von György Ligeti wurde 1961 bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführt. In diesem kurzen Orchesterstück konzentriert sich Ligeti ganz auf die Komposition des Klangs, auf seine Farbigkeit, seine Dichte, sein äußeres Volumen und seine innere Struktur.

Unsuk Chin gehört zu den erfolgreichsten Komponistinnen unserer Zeit. In der Szene für Sopran und Orchester mit dem Titel „Le Silence des Sirènes“ bezieht sie sich auf den griechischen Mythos der Sirenen, die mit ihrem Gesang Seeleute in die Tiefe und damit ins Verderben locken. Der Text ist eine Collage aus Homers Odyssee und James Joyces Ulysses. Mit dem Titel zitiert Chin ein Prosastück Franz Kafkas.
Die amerikanische Sopranistin Marisol Montalvo ist die Idealbesetzung für dieses stimmlich und gestalterisch ausgesprochen anspruchsvolle Stück. Sie zählt zu den gefragtesten Interpret*innen moderner und zeitgenössischer Musik. Sie hat eine außergewöhnlich flexible Stimme und Stimmtechnik. Einige Komponisten unserer Zeit haben speziell für sie Rollen komponiert.

Im zweiten Teil der hr-Sinfoniekonzerte im September 2018 wurde die siebte Sinfonie von Anton Bruckner gespielt. 60 Jahre alt war Anton Bruckner, als seine Siebte 1884 in Leipzig uraufgeführt wurde. Und nach weiteren erfolgreichen Aufführungen in München und der Premiere mit den Wiener Philharmonikern in Österreich, kam es schon 1886 zu Aufführungen in Chicago, New York und Boston. Mit dieser siebten Sinfonie war Bruckner endlich auch international als Komponist erfolgreich. Deshalb gibt es bei der Siebten auch kein Problem mit der Quellenlage oder verschiedenen Fassungen: der Erfolg des Werks machte Korrekturen und Überarbeitungen überflüssig.

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