Ingrid Mylo

Die Gedichte von Ingrid Mylo sind dort angesiedelt, wo die persönlichen Erinnerungen sich mit der Wirklichkeit konfrontieren: in den blauen Stunden. In ihrer klaren Stille kann man hören, wie die Geräusche Bedeutung bekommen und eine eigene Zeit beanspruchen. Wenn unser Denken nicht weiter weiß, wenn sich unter all den Deutungsversuchen keiner findet, der verlässlich ist oder Halt verspricht, rettet uns nur die sinnliche Welt: der Duft von Sandelholz, die Vertraulichkeit der Salbeiblüte, eine Mirabelle, die die Melancholie auf der Zunge auslöst. Mit "Überall, wo wir Schatten warfen" legt Ingrid Mylo nach vier Bänden mit Kurzprosa ein starkes Lyrikdebüt vor: analytisch zugeschliffene Gedichte, deren poetische Kraft auch das Unsagbare ins Bild fasst.

Sendung: hr2-kultur, "Am Nachmittag", 05.05.2021, 17:15 Uhr