Raus in die Natur: Schlossparkbühne

Diese Woche geht’s nach Marburg. An einen Ort, der hoch über der Stadt liegt, in die Oberstadt. Ausgesucht haben ihn die Intendantinnen des Hessischen Landestheaters, Carola Unser und Eva Lange.

Es ist schon ein ordentlicher Fußmarsch, den man hinlegen muss, bis man am Marburger Schloss angekommen ist. Wer nach vorne schaut, sieht in der Ferne das Tal, nebelverhangen und von Regenwolken verdeckt. Dazwischen überall sattes Grün. Ein paar Schritte weiter, vorbei am Rosengarten mit Blüten in rosa, gelb, orange, dunkelrot, kommt man auf eine Anhöhe. Und da verbirgt sich hinter einem Zaun ein ganzes Freilichttheater - Verabredung mit den Intendantinnen am Hessischen Landestheater, Carola Unser und Eva Lange. Sie leiten das Theater seit zwei Jahren zusammen. Und sie wollten heute hierher kommen, weil die Schlossparkbühne ihr Lieblingsort in der Natur in Marburg ist.

"Wir lieben diese Schlossparkbühne sehr, erstens weil sie umgeben ist von einer Vielzahl von großen Bäumen, und hier flattern Vögel über die Bühne, man hört das Rauschen des Windes in den Blättern, das ist ganz wunderbar."

Die Schlossparkbühne ist fast vierzig mal vierzig Meter groß, also größer als viele normale Theaterbühnen. Auf der Bühne stehen drei weiße Torbögen, die an gotische Kirchenfenster erinnern. Hier gibt es jeden Sommer Theater draußen zu sehen. In diesem Jahr ist die Freilichtbühne besonders wichtig, denn wegen der Corona-Pandemie konnte das Hessische Landestheater zuletzt nur Vorstellungen draußen anbieten. Carola Unser hat hier im Juni eine Open-Air-Revue inszeniert.

"Ich genieße es sehr, hier zu arbeiten und zu inszenieren, weil es natürlich was anderes ist: Wir haben im Regen geprobt, man freut sich wenn die Sonne rauskommt, und dann hatte man abends einen Sonnenbrand. Für uns Menschen, die an dunkle Räume gewohnt sind, wo nicht viel Sonnenlicht ist, ist das einfach eine Wonne!"

"Der tolle Moment ist immer, wenn ein Schauspieler im Moment der Aufführung Bezug nimmt auf etwas, was die Natur in dem Moment hervorbringt. Auf einmal fliegt der Greifvogel über die Bühne, oder es setzt sich ein Vogel auf die Szene, oder ein Ast fällt herab. Man reagiert auf das Geräusch, und das verändert die Geschichte."

Das bedeutet auch, dass man beim Theater im Freien nicht alles kontrollieren kann. Das macht für Eva Lange den Reiz mit aus, draußen zu inszenieren. Außerdem lockt das Theater draußen oft neue Zuschauer an, die eigentlich gar nichts damit zu tun haben. Die Arbeit in der Natur ist also eine echte Bereicherung für die Intendantinnen des Landestheaters. Carola Unser hat dazu übrigens noch einen anderen Bezug: Sie hat vor ihrer Karriere am Theater eine Ausbildung zur Landwirtin gemacht.

Sendung: hr2-kultur, ab 6.7.2020

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