Ingrid Torvund / Jonas Mailand: Magic Blood Machine

Bei der Frankfurter Buchmesse präsentiert sich das Gastland Norwegen. Das Museum Angewandte Kunst zeigt norwegische Kunst und Kultur, das Museum wird zum "House of Norway". Denn die Ausstellung findet im gesamten riesigen Museum statt, alle ständigen Ausstellungen sind weggeräumt: Platz für die Kultur Norwegens, Design und Kunsthandwerk, bildende Kunst und Architektur.

Was macht Kunst und Kultur Norwegens aus?

Das Land erstreckt sich über mehr als 2.000 km, es gibt unterschiedlichste Lebensbedingungen - und es ist schon ein Unterschied, ob Künstlerinnen oder Designer in Oslo leben oder in der Schneetundra im Norden. Aber in vielem in der Ausstellung klingen Mythen an und vieles ist naturverbunden. Die Filme von Ingrid Torvund zum Beispiel spielen in dunklen Wäldern. Und die Künstlerin hat auch die Kostüme ihrer Figuren selbst gestaltet: Sie wirken wie eine Symbiose aus Science Fiction und Märchen.

Kunst ist das eine, aber wie sieht das Design aus?

Es gibt natürlich das typische skandinavische Design der 1950/60er Jahre, modern und funktional. Aber oft haben die Arbeiten etwas Rauhes, gegen den Strich gebürstetes. Zum Beispiel der Schmuck der Designerin Toni Vigeland. Sie arbeitet unter anderem mit Rentierknochen und sogar mit plattgehauenen Nägeln, die aber leicht wie Federn wirken. Es gibt auch einen Film zu sehen, der nur rauschendes Espenlaub zeigt. Der Hochstuhl des Designers Peter Opsvig ist ein "Garden Chair" und sieht aus wie ein stilisierter Baum.

Gibt es eine Ordnung, einen roten Faden?

Im "Haus of Norway" kann jeder eine Entdeckungsreise machen und trifft immer wieder auf Überraschendes. Manches steht aber auch direkt im Kontrast gegenüber. Beim Thema Architektur ist ein Teilmodell eines Wohngebäudes des Architekten und Pritzkerpreisträgers Sverre Fehn: Es steht der Arbeit des samischen Künstlers und documenta-Teilnehmers Joar Nango gegenüber. Joar Nango projiziert Fotos an ein Garagentor, Bilder von zusammengenagelten Hütten und Zelten, mobile Architektur, entsprechend der Lebenswirklichkeit der Sami, der indigenen Bevölkerung, die mit ihren Rentierherden weiterziehen. Dazu gibt es Kurzfilme, die die Lebensbedingungen der Menschen in Norwegen reflektieren. Das Leben der Sami, der indigenen Bevölkerung, nimmt einen großen Raum in der Ausstellung ein. Es gibt 200 Jahre alte kunstvoll gearbeitete Messer der Sami, faszinierende Fotografien von alten Menschen in ihren bunten Trachten, vor schwarzem Hintergrund und auch auch ein samisches Theaterstück, das an Abenden bis in den November hinein im Museum gezeigt wird. Und eigentlich beschäftigen sich alle Arbeiten der Sami in der Ausstellung mit der Bewahrung der eigenen Kultur und Geschichte.

Was zeigt das "House of Norway" von Vorzeigemaler Munch?

Der Künstler ist mit Zeichnungen vertreten, die noch niemals zuvor irgendwo gezeigt worden sind. Museumsdirektor Matthias Wagner K hat im Munch Museum in Oslo eines seiner Skizzenbuch "entdeckt" und ausgeliehen: In Frankfurt sind fünf Blätter mit Gedichten und Zeichnungen zu sehen, mit farbigen Stiften geschrieben, in Groß- und Kleinbuchstaben, das erinnert fast an konkrete Poesie.

Also: Ein umfassender Blick auf die Kunst und Kultur eines Landes...

In dieser beeindruckenden und sehr sinnlichen Ausstellung ist wirklich viel Unterschiedliches zu entdecken! Und es ist gerade gut, dass sie nicht wohlgeordnet ist, sondern ganz künstlerisch zusammengestellt, in den hellen weitläufigen Räumen, in denen einzelne Werke viel Raum haben. Das MAK unternimmt eine ganz besondere Reise nach Norwegen und trägt einen wichtigen Teil zum Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse bei. Das Schöne: Man kann die Ausstellung weit über die Buchmesse hinaus besuchen.

"House of Norway"
Museum Angewandte Kunst
Frankfurt
bis 26. Januar 2020
Bis 9. November gibt es an verschiedenen Abenden im Museum die Aufführungen eines samischen Theaterstücks

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 11.10.2019, 7:30 Uhr

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