Geraldo de Barros: Regal, MF-710, Unilabor

Die Opelvillen in Rüsselsheim zeigen zwei Ausstellungen, die thematisch und ästhetisch so nah beieinander sind, dass man sie beinahe als eine bezeichnen könnte.

Wenn man durch die Räume der Opelvillen läuft, sieht man zuerst Möbel: Tische, Regale, ein Bett. Alles ist sehr schlicht, minimalistisch in schwarz und weiß. Das sieht alles sehr nach Bauhaus und klassischer Moderne aus und ist auch heute noch hoch attraktiv. Die Möbel sind gekoppelt an die Grundideen der Moderne: reproduzierbar, industrielle Fertigung, günstig zu erwerben – ein demokratischer Grundgedanke steckt dahinter.

Eugen Gomringer als Teil der Moderne

Die Geschichte dieses Möbeldesigns ist ein Teil brasilianischer Geschichte. Die Produktionsfirma "Unilabor" wurde von einem Priester und einem Künstler gegründet. Der Priester befasste sich mit den wirtschaftlichen und sozialen Problemen seiner Zeit und sah die Lösung in einer Utopie, angelehnt an kommunistische Ideale und die Ästhetik der Moderne.

Der zweite Teil der Ausstellung präsentiert konkrete Poesie von Eugen Gomringer und einer brasilianischen Künstlergruppe. Ästhetisch gibt es Paralellen. Die Gedichte sind auf die Wände geschrieben – es sind nicht nur Worte, sondern auch Bilder. Er arbeitet mit dem Prinzip des Weglassens, der Reduktion und der Dichter wird zum Gestalter einer Wortstruktur.

Fazit

In den Opelvillen wird ein Kapitel der Moderne vorgestellt, dass in Deutschland nahezu unbekannt ist, sehr komplex, sehr spannend, inspirierend und wunderschön.

"Konkrete Poesie"
"Geraldo de Barros Unilabor. Möbel und Fotografien"
bis 12. Januar 2020
Opelvillen Rüsselsheim
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Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 24.09.2019, 07:30 Uhr

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