Nele Pollatschek und "Jeeves and Wooster"

Was tun gegen den Brexit-Blues? Lesen! Und zwar jenen Briten, der mit einfachen Geschichten und unglaublichem Humor die Gentlemen Jeeves and Wooster durch gleich mehrere Bücher stolpern lässt. Denn alles was an Brexit-Folgen auf uns zukommt, ist nur mit Lachen zu ertragen!

Bei mir zuhause gibt es einige Feiertage, die wir Jahr für Jahr gemeinsam feiern. Geburtstage natürlich, Weihnachten, Silvester und seit jetzt fast vier Jahren: Brexit-Tag. Brexit-Tag ist der Tag, an dem Familien zusammenkommen, Tee trinken, Shortbread essen und sich fragen, was zur Hölle eigentlich los ist, und ob England diesmal womöglich wirklich, ehrlich, also einfach so und praktisch ohne Vorwarnung, geht. Am Freitag, den 31., ist es wieder soweit und ich glaube, diesmal passiert's tatsächlich.

The day will come

Ich klinge jetzt ganz vergnügt, weil man ja auch nicht drei Jahre nur trauern, nur wütend sein, nur verzweifeln kann. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Ich bin wütend, traurig, verzweifelt. Ich hab mich nur dafür entschieden, es jetzt mal mit Humor zu sehen, das soll ja helfen. Wenn auch Sie den humorvollen Umgang mit der widerspenstigen Insel suchen, dann lesen Sie die Reihe "Jeeves and Wooster" von P.G. Wodehouse.

Where's the plan?

Seine "Jeeves and Wooster"-Bücher spielen vor allem in den 20er und 30er Jahren und er ist einer der komischsten Autoren der englischen Geistesgeschichte. Er erzählt in seinen Büchern von Bertie Wooster, einem jungen englischen Adligen und seinem Butler Jeeves. Jeeves ist ein Faktotum, ein Alles-Könner, ein Alles-Wisser, ein hart arbeitender, vernünftiger, brillanter Mann. Wooster wiederum ist ein dümmlicher, unfähiger, arroganter Lebemann – und Jeeves' Arbeitgeber!

Im Regelfall hat Wooster einen tollkühnen Plan, von dem Jeeves von Anfang an weiß, dass er nicht funktionieren kann. Wooster erklärt ihm dann von oben herab, warum es genau so funktionieren wird, wie er sich das überlegt hat und warum Jeeves seine Brillanz einfach nicht begreift. Meistens involviert dieser Plan mürrische Tanten, von Polizisten gestohlene Hüte, Milchkännchen in Kuhform, Orte mit so schönen Namen wie Steeple Bumpleigh, Schweine – mit und ohne Flügel – und jede Menge englischen Wortwitz. Früher oder später scheitert Woosters Plan – meist recht spektakulär –, woraufhin sein brillanter Butler Jeeves ihm den wohlgeborenen Hintern rettet.

"Very good, Sir!"

Was die "Jeeves and Wooster"-Bücher gerade jetzt so beglückend machen, sind keine ausgefallenen Handlungen – die ähneln sich nämlich in der Regel so sehr, dass man sie in eine einzige Generalzusammenfassung quetschen kann. Und auch nicht die emotionale Tiefe der Figuren – Bertie Wooster ist so tief wie ein Tümpel in der Mittagshitze, sein Butler Jeeves versteckt alle Tiefe hinter einem vielsagend nichtssagenden "Very good, Sir!"

Was die Bücher gerade jetzt so beglückend macht ist: Es sind Bücher! Es sind nur Bücher! Denn diese Art von selbst-überschätzenden, verantwortungslosen, weltfremden, vergnügungssüchtigen Upperclass-Briten ist wirklich brüllend komisch – solange sie nicht etwa die Regierung eines Landes stellt. Also feiern Sie mit mir den Brexit-Tag. Mit Tee und Shortbread, mit "Jeeves and Wooster" - und mit der Vorstellung, wie herrlich komisch das alles wäre, wenn es einfach nur Fiktion wäre!

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 29.1.2020, 8:30 Uhr

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