Manon Lescaut an der Oper Frankfurt: Asmik Grigorian, Geronte de Ravoir und Ensemble

Manon Lescaut, die Geschichte einer verrückten, weil bedingungslosen Liebe – der Roman von Abbé Prevost war ein Skandal. Als Giaccomo Puccini eine Oper daraus machte, wurde ein Traum wahr. Und heute? Die Frankfurter Premiere versetzt Manon Lescaut ins Hier und Jetzt.

Wo reiht sich denn diese Produktion ein?

Wir erleben ganz großes Kino! Nicht nur, weil das Star-Wars-Thema den 3. Akt beschließt, die Aufführung ist in allen Bereichen berührend, mitreißend, bombastisch. So viel Jubel und Bravi habe ich noch nie erlebt!

Wenn Asmik Grigorian den Mund aufmacht, strahlt das ganze Haus

Diese Manon ist ein Glücksfall, beide Hauptrollen sind auf Augenhöhe besetzt:         Asmik Grigorian aus Litauen, Sängerin des Jahres 2019, die hier schon 2018 die Yolantha gab und der erst kürzlich in Salzburg Publikum und Kritik zu Füßen lagen, ist eine Offenbarung! Dazu kommt Joshua Guerrero, ein perfekter Tenor, strahlend, voller Schmelz, kraftvoll. Er feierte sein Deutschland-Debüt. Hier hat Opernchef Bernd Loebe wiedermal ein Juwel gefunden!

Kurzum: Man kann sich einfach besoffen hören an diesen Stimmen, wir haben es mit Urgewalten zu tun, die dabei mit so viel darstellerischer Intelligenz geführt werden, unglaublich.

Was erzählt die Oper?

Von einer Amour fou: Manon Lescaut soll vom Bruder ins Kloster gebracht werden, trifft unterwegs die Liebe ihres Lebens, den armen Studenten des Grieux, macht zwischendrin, wie die Traviata, einen Ausflug in Glitzerwelt, stirbt in den Armen des Geliebten, der sie nicht beschützen kann.

Die Frankfurter Inszenierung von Alex Ollé, Mitglied der gefeierten katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus, macht endlich eine Heldin aus Manon, sie ist nicht länger Opfer der Ränkespiele von Männern, Brüdern, Vätern - im Gegenteil. Aber sie wird dennoch zur Schmiedin ihres eigenen Unglücks: Für Alex Ollé ist Manon eine Immigrantin, sie erträumt sich Reichtum und dolce vita, am schmucklosem Busbahnhof begegnen sich Manon und des Grieux, auf seine Frage "wie heißt Du?" muss sie erst Stöpsel aus dem Ohr nehmen, sie brennen durch, sie landet doch beim reichen Alten, räkelt sich großartig an Pooldance-Stange, liebt das Geld, den Schmuck, will vor der Flucht so viel wie möglich zusammenraffen - und endet im Verhängnis

Funktioniert diese Sichtweise?

Genau hier hakt die Geschichte etwas: Der Rotlicht-Hallodri, der eine illegale Schönheit beschäftigt, ruft sicher nicht die Polizei, wenn sie ihn verlässt. Also landet die Frankfurter Manon im Abschiebeknast (im Original gehts nach Louisiana in die Verbannung), hier ist es vielleicht vertrocknete Heimat, wo sie entkräftet stirbt.

Stimmt das Gesamtpaket?

Ja! Zwei grandiose Hauptdarsteller, das Ensemble sehr gut besetzt auch in den kleineren Partien, ein von Lorenzo Viotti großartig befeuertes Orchester, mal leicht und durchsichtig, mal Breitwandsound, dass einem der Atem stockt ... unbedingt hingehen!

Manon Lescaut
Dramma lirico in vier Akten
von Giacomo Puccini
Oper Frankfurt
10.,13., 18., 25., 27. Oktober,
2., 9., 15., 23. November 2019

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 7.10.2019, 7:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit