Künstler im Lockdown 12 - Adriano Werner

Wie kommen Künstler, vom Schauspieler über den Sänger bis zum Regisseur mit der aktuellen Situation zurecht? Unsere hr2-Kulturreporterin hat den Improvisationskünstler Adriano Werner in Wiesbaden besucht.

Künstler wohnen entweder in der Pampa oder im obersten Stock. Sobald Adriano Werner zur Seite tritt, verschlägt's mir erstmal den Atem: Riesige Rundfenster geben den Blick über die Dächer von Wiesbaden frei. Und auf blütenstrotzende Bäume. Dieser Ausblick sei seine Kraftquelle, meint der junge Mann.

Das hat mich echt gerettet, dass das Wetter mitgespielt hat, dass sich die Natur wieder erhellt und es Frühling wird und wir wengistens gutes Wetter hatten in dieser Lockdown-Zeit.

Wir setzen uns in die Küche. Und der junge Mann mir gegenüber scheint ziemlich unter Strom zu stehen. Seine Augenbrauen sind ständig in Bewegung, seine Hände unterstreichen die Worte - alles an ihm scheint sich ausdrücken zu wollen.

Ich bin Bühnenkünstler und da insbesondere Improvisationstheater-Schauspieler und Improlehrer. Und das mach ich jetzt seit acht Jahren, hab mich dann selbständig gemacht als Schauspieler und stehe also auf der Bühne und improvisiere.

Na, dass mit der Bühne ist ja jetzt gerade schwierig, wie gut klappt's denn da mit der Improvisation?

Ich habe seit Corona-Beginn keine Shows mehr. Das heißt mein kulturelles berufliches Leben ist eigentlich auf Null. Ich hatte einen Versuch, ein digitales Projekt in dieser Krise, aber ansonsten spiel ich schon lange keine Shows mehr.

Die Impro-Shows, das macht Adriano mit drei anderen zusammen. Sie nennen sich 'Der Fuchs' und waren auf Weihnachtsfeiern, Kleinkunstbühnen und auch Firmenevents gebucht.

Ich hab auch noch ein Start-Up als Redner, das heißt, ich rede auf Hochzeiten und Bestattungen. Ich dachte immer, ich sei gut aufgestellt, mit den vielen Jobs, die ich mache. Und eins eint alle Jobs: ich hab gern mit Menschen zu tun. Die Hochzeiten, da laden wir 100 Leute ein, die sich umarmen, die sich liebhaben sollen und bei den Bestattungen wollen ganz viele Menschen Abschied nehmen. Alle meine Jobs versammeln Menschen, alle meine Jobs wurden abgesagt und gecancelt.

Er knetet seine Hände. Die Augenbrauen bewegen sich jetzt fast nicht mehr. 2020 war voll ausgebucht, es wäre das zweite richtig lukrative Jahr geworden, sagt Adriano. Darauf habe er sieben Jahre lang hingearbeitet. Und jetzt ... sogar finanzielle Unterstützung habe er beantragt.

Dieses erste Soforthilfe-Paket kann man nur dann beantragen, wenn man fortlaufende Ausgaben hat, die hab ich nicht, also bin ich da durchgefallen. Dann wollte das Land Hessen mich in die Grundsicherung schicken, da fall ich auch durch, weil ich glücklicherweise eine ganz bezaubernde Ehefrau habe und wir in Summe ein zu gutes Einkommen haben. Und der dritte, das so groß gefeierte Paket, auch da fall ich durch, weil dort in aller erster Linie bereits geförderte Projekte nochmal Anspruch hätten auf ne weitere Förderung.

Er schüttelt sich kurz, wie bei einer Lockerungsübung. Um die Augen sind jetzt wieder Lachfalten zu sehen. Er gehe im Moment viel wandern, sagt Adriano, renne ein bisschen weg von all dem. Denn seine Stimmung ist ...

... sehr wackelig. In mir drin geht es sehr auf und ab und zwar so intensiv, wie ich es von mir nicht kenne.

Er lotst mich ins Arbeitszimmer. In der Ecke ist eine Mini-Bühne eingerichtet, gerade mal so groß wie eine Euro-Palette. Und daneben steht ein E-Piano.

Eine Sache, die seit der Corona-Krise entstanden ist: ich übe sehr fleißig Piano.

Na dann, kann der Improvisations-Künstler doch mal ganz spontan das Virus und die ganze Krise vertonen.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 2.6.2020, 16:30 Uhr

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