Mara Eggert: "Thomas Bayrle", 1980, Handabzug auf Baryt, 40 x 40 cm

Die Galerie Hanna Bekker vom Rath würdigt eine Frankfurter Künstler-Generation: Zur Zeit die Theaterfotografin Mara Eggert, die ab 1979 Frankfurter Künstlerpersönlichkeiten fotografiert hat.

Zu sehen sind Größen der Frankfurter Kunst-Szene Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Angefangen bei Hanna Bekker selbst, dann Franz Mon, Hermann Goepfert, Christa von Schnitzler, E.R. Nele oder Renate Sautermeister. Aber natürlich auch die damaligen Städel-Professoren Michael Croissant, Hans Steinbrenner und Thomas Bayrle. Sie repräsentieren die Kunstszene der Zeit und den Geist der Stadt Ende der 70er Jahre.

Was zeichnet ihre Portraits aus?

Sie hat sich zwei verschiedene Aufgaben gestellt: In den Portraits die Persönlichkeit der Künstler zu erfassen und gleichzeitig über die Portraits auch ihre Kunst zum Ausdruck zu bringen, ihren künstlerischen Schwerpunkt oder Ansatz zu bündeln. Die Mittel, die sie dabei einsetzt, sind ganz analog. Sie arbeitet zum Teil mit Doppelbelichtungen oder Projektionen. Sie inszeniert szenisch und baut regelrecht Räume, in die sie die Künstler hineinstellt, sie nutzt Farb- oder Schwarz-Weiß Fotografie, wie sie es eben für dieses bestimmte Portrait als passend empfunden hat.

Geben Sie uns ein Beispiel. Wie hat Mara Eggert etwa Thomas Bayrle ins Bild gesetzt?

Der Frankfurter Künstler Thomas Bayrle hat einen großen Teil seines Werkes dem Auto gewidmet. Er hat Autoskulpturen gebaut, die von kleinen handlichen Spielereien bis hin zu raumfüllenden Installationen reichen. Ende der 70er Jahre hat er Animationsfilme hergestellt, auf denen man Köpfe sieht, die mit Autobahnbändern bandagiert sind und auf denen die Autos umeinander rasen. Mara Eggert ist für ihr Portrait von Bayrle dann nach Rüsselsheim gefahren, hat den Werksparkplatz von Opel fotografiert und dieses Bild mit den hunderten von Autos als Diaprojektion auf den Kopf von Thomas Bayrle geworfen, so dass man auf ihrem Portrait jetzt seinen Kopf von Autos übersäht sieht. Vor der Fotografie steht auf dem Boden dann eine Autoplastik von ihm.

Ist das ein wiederkehrendes Prinzip, dass die Fotografien von Kunstwerken der Künstler ergänzt werden?

Ja, das Portrait von Christa von Schnitzler zeigt die Künstlerin in ihrem Atelier, ganz weit weg von der Fotografin, fast ein wenig in die Ecke gedrückt, in dunklen Kleidern. So erscheint sie beinahe wie eine ihrer schlanken Stelen, von denen sich eine in der Ausstellung wiederfindet. Beeindruckend auch das Portrait von Herrmann Goepfert. Man erahnt eigentlich nur seine Silhouette als Negativ-Umkehrung, weiß vor schwarzem Grund. Ihn überlagern und durchdringen schwingende Licht- und Schattenformen, genauso abstrakt, reduziert und elegant wie seine kinetischen Objekte.

Eine kleine Ausstellung?

Das ist dem Raum der Galerie in der Braubachstraße geschuldet – es sind elf Künstlerportraits, ergänzt durch die Kunstwerke aus der selben Zeit, Ende 70er, Anfang 80er Jahre. Eine Ausstellung, die zum einen die Ausdruckskraft der Fotografie zeigt, zum anderen fast ein wenig wie ein Klassentreffen einer ganzen Frankfurter Künstlergeneration wirkt, die sich hier zum Stelldichein zusammengefunden haben. Empfehlenswert!

Mara Eggert — Frankfurter Porträts
Galerie Hanna Bekker vom Rath
Braubachstraße 12, Frankfurt

bis 18. Juli 2020
Dienstag bis Freitag 12–18 Uhr
Samstag 12–15 Uhr
und nach Vereinbarung

Sendung: hr2-kultur, 25.6.2020, 7:30 Uhr


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