The Sea Within - Tanzfestival Rheinmain

Das Tanzfestival Rhein-Main wartet in Darmstadt, Offenbach, Frankfurt und Wiesbaden mit unterschiedlichen Tanzevents auf, auch mit Produktionen der belgischen Choreographin Lisbeth Gruwez: Ein Stück von ihr heißt "The sea within" und war jetzt in Darmstadt zu sehen.

Welchen Eindruck hat es hinterlassen? 

Ich habe eine sehr konzentrierte Arbeit gesehen, nicht so provozierend, wie ich es erwartet habe. Lisbeth Gruwez ist eine Schülerin des belgischen Avantgarde-Theatermachers Jan Fabre, der oft im Rhein-Main-Gebiet zu Gast war - eine Ikone des Tanztheaters mit zum Teil sehr anstrengenden langen Theaterabenden.  Lisbeth Gruwez hat bei ihm getanzt und sich zur Choreographin weiterentwickelt. Was in Darmstadt zu sehen war, ist intensiv gewesen, aber mit 70 Minuten Länge nicht so fordernd. Das habe ich als durchaus als angenehm empfunden.  

Was genau war denn zu sehen?

Im Kleinen Haus des Darmstädter Theaters ist ein großes Viereck auf der Bühne zu sehen. Es wird dunkel und allmählich erkennen wir Menschen, die um dieses Viereck herum liegen – und die sich den Raum erobern. Mit langsamen, zeitlupenhaften Bewegungen, immer erst die Beine vorangesetzt, sich vorwärts tastend. Vom aufrechten Gang noch sehr weit entfernt. Allmählich treten die Tänzer miteinander in Kontakt und geben ihre Individualität auf zugunsten eines gemeinsamen Körpers. Und das war das Thema von the sea within: Das Kollektiv  löst die  Grenzen zwischen den Körpern auf.

Lizbeth Gruwez sieht ja Tanz und Choreographie als eine Schwingung an, die ein Publikum physisch und emotional erreichten soll. Und begleitet wird das ganze von einem intensiven Klangsound:  Sich langsam entwickelnden Rhythmen, die sich immer wieder zu exzessiven Bewegungen steigern.

Also ein zeitloses Tanzen, das sich selbst genügt ?

Es geht tatsächlich darüber auch hinaus. Von den Klängen und den Bewegungen her mußte ich immer wieder an Meer oder die Wüste denken – und das ist ein sehr subtiler Hinweis auf die Klimakatatsrophe. Da wird nichts explizit gesagt, aber es schwingt immer mit – und das hat mir gut gefallen, weil es mir als Zuschauerin eigenen Gedankenräume gestattet.

Wie haben die Zuschauer reagiert ?

Das bunt gemischte Publikum aus jüngeren und Älteren war mit viel Anteilnahme dabei, beeindruckend, dass es für dieses Festival so viel Interesse gibt. Lisbeth Gruwez hat auch eine Stunde vor der Vorstelllung ein kleines warming up gemacht – da konnten die Zuschauer zu elektronischen Klängen Bewegungen machen, viele haben begeistert mitgemacht.

Kann man die Choreographin auch selbst tanzen sehen?

Lisbeth Gruwez ist beim diesjährigen Tanzfestival die Spotlight Künstlerin – das heißt von ihr und ihrer Truppe Voetvolk gibt es mehrere Produktionen zu sehen. Am 9. November gibt es auch in Wiesbaden die Möglichkeit, Lisbeth Gruwez als Tänzerin zu erleben, da tanzt sie nämlich ein Solo mit dem Titel "Lisbeth Gruwez tanzt Bob Dylan". Lohnt sich bestimmt! Und es gibt ja auch im Kontext dieses Festivals immer wieder Workshops, bei denen auch Laien mitmachen können, zum Beispiel ein Workshop am kommenden Samstag für Leute über 60 – Alter schützt vor Tanzen nicht! – das klingt sehr sympathisch, wie auch viele andere dieser Events rund um das Festival. 

Tanzfestival Rhein-Main
noch bis 16.11.2019


Hier geht es zu den Veranstaltungen

 Sendung: hr2-kultur, 6.11.2019, 7:30 Uhr

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