Ein Mann formt Gesten vor einem Bildschirm

Auf dem Bildschirm sieht man das Modell eines Tonkrugs, das sich kontinuierlich den Handbewegungen anpasst. Ein wenig nach außen, und der Krug wird breiter, ein wenig nach innen und er wird schmäler. Hat man die gewünschte Form erreicht, kann man die Skizze an einen 3D-Drucker weiterleiten. 

"Gesten: gestern, heute, übermorgen", so heißt die Ausstellung im Museum für Kommunikation in Frankfurt, in der das möglich ist und die seit Mittwoch dieser Woche Einblick in die Erforschung der Gesten eröffnet.

Alltägliche Handlungen

Eingeübte Gesten dienen nicht nur zum Gebrauch von Objekten, sie sind kommunikative Handlungen und sagen manchmal mehr als viele Worte, erläutert die Chemnitzer Linguistin Jana Bressem. Als Beispiel führt sie eine Wischgeste an, die man in der Kommunikation benutzt, um zu signalisieren: Das will ich nicht machen oder darüber möchte ich nicht reden. "Sie wischen sozusagen die Argumente ihres Gegenübers so weg, als wären die Krümel auf dem Tisch", sagt sie. Die Geste beruhe also auf einer alltäglichen Handlung.

Interkulturelle Unterschiede

Je nach Kultur und Kontext können Gesten ganz unterschiedlich verstanden werden. Das dokumentiert ein Gestenlexikon zu Beginn der Ausstellung. Man müsse immer aufpassen, ob eine Geste, die man selbstverständlich gebraucht, wie zum Beispiel die Victory-Geste, nicht woanders eine Beleidigung darstellt, sagt Ellen Fricke, Professorin für Sprachwissenschaft und Gestenforschung an der TU Chemnitz. "Kleine Veränderungen können große interkulturelle Missverständnisse bewirken", sagt sie.

Mehr als nur Kommunikationshilfe

Der Schriftsteller Hieronymus Lorm hat das Alphabet für Taubbline Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. Lorm hat den sechsundzwanzig Buchstaben des Alphabets unterschiedliche Druckpunkte und Muster auf der Handinnenfläche zugewiesen und revolutionierte damit die Kommunikation für taubblinde Menschen. Wie eine Weiterführung dieser Revolution wirkt der LORM-Handschuh, der in Frankfurt zu sehen ist. Das ist ein Handschuh, der mit Sensoren ausgestattet ist und genau diese Berührungen erkennen kann. Sobald er diese Berührungen erkennt, kann er sie in Daten umwandeln und zum Beispiel als E-Mail weiterschicken.

Mensch und Maschine

Das Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Arbeit lässt sich beim Rundgang durch die Ausstellung nachvollziehen. Historische Artefakte, wie das Telefon mit Drehscheibe, stehen neben einem virtuellen Globus, der die eigene Hand zu einem Flugzeug werden lässt. Ob das die Zukunft ist? Die Ausstellung legt sich nicht fest. Interessant ist sie trotzdem: Für alle, die auf das Zukunftspotenzial von Maschinen vertrauen, die sich für ein Nischenthema, wie Gestenforschung interessieren. Oder die sich einfach begeistern können für die Objekte der "schönen, neuen Welt".

"Gesten – gestern, heute, übermorgen"
bis 23. Februar 2020
Museum für Kommunikation Frankfurt
Mehr Informationen zur Ausstellung.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 25.9.2019, 6:45 Uhr

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