Arno Schmidt

Drei Jahre haben Arno Schmidt und seine Frau Alice in Darmstadt verbracht. Er war einer der eigenwilligsten Autoren der Nachkriegszeit, der alle Kraft in die Gestaltung seiner sprachlichen Welt setzte. Jetzt haben Studenten der Architektur und des Designs ihrerseits einen Raum gestaltet, der die Möglichkeit bietet sich Arno Schmidt noch einmal zu nähern.

Seltsame Tage - und für Darmstadt kein gutes Wort

Vielleicht sind es tatsächlich die 16 Geschichten aus der Inselstraße, die aus Arno Schmidt den kompromisslosen Schriftsteller machten, der er fortan war. In jedem Fall aber sind die drei Jahre, die Arno und Alice Schmidt in der Inselstraße 42 in Darmstadt lebten, keine unbedeutende Zeit gewesen. Und dass sich die Ausstellung der TU Darmstadt gerade eine der schönsten dieser 16 Erzählungen, "Seltsame Tage"  zum Titel erkoren hat, hat auch etwas damit zu tun, dass diese Zeit auch unter den Schmidt-Verehrern sehr widersprüchlich betrachtet wird. Denn geht man heute in die Inselstraße, findet man dort lediglich ein kleines stark verblasstes Schild.

"Asyl" in Hessen

Schmidt kam nach Darmstadt, weil er im katholischen Kastel an der Saar nach Erscheinen seiner sprachlich freizügigen Erzählung "Seelandschaft mit Pocahontas" wegen Gotteslästerung und Verbreitung unzüchtiger Schriften angezeigt wurde. Im protestantischen Umfeld wurde die Klage dann bald fallengelassen.

Schmidt-Devotionalien und eine historische Halle

Es ist erstaunlich, mit welcher Sinnlichkeit die Austellungsmacher zu Werke gehen. Da gibt es ein Kakteenfeld, das nicht nur an die Geschichte "Der Tag der Kaktusblüte" erinnert, sondern auch an Alices Vorliebe für diese Pflanzen. Es gibt eine Projektion mit Filmaufnahmen der Stadt aus den 50er Jahren, dazu einen Bildschirm, auf dem man die Wege nachvollziehen kann, die die Figuren in Schmidts Geschichten durch Darmstadt nehmen. Und schließlich findet alles in einer Maschinenhalle statt, die in den Jahren 1955-58 gebaut wurde, also genau zu der Zeit, in der Schmidt in Darmstadt lebte. Einer Stadt, die alles andere als künstlerische Provinz war.

Arno, Alice - seltsame Menschen, ganz bei sich

Man weiß nicht, wie es mit Schmidt weitergegangen wäre, wäre er in Darmstadt geblieben, hätte den Büchner-Preis bekommen und sich weiterhin mit dem städtischen Leben auseinandergesetzt. Dass er sich stattdessen für die Waldeinsamkeit in der Bargfelder Heide entschied und nicht für Darmstadt hat viele Gründe. Die meisten liegen in der Ich-Bezogenheit des Autors, seiner Sehnsucht nach Einsamkeit und Stille jenseits der Massen. Oder wie es der Bildhauer und Schmidt-Freund Gotthelf Schlotter einmal ausdrückte: "Ich habe noch nie mit so schwierigen Menschen unter einem Dach gelebt: Frau Schmidt verstand nichts vom Haushalt und Arno Schmidt fand Essen Zeitverschwendung."

Seltsame Tage
Arno Schmidt und Darmstadt 1955–58

Ausstellung in verschiedenen Gebäuden des Campus Stadtmitte
Hochschule Darmstadt
Magdalenenstraße 6
bis 5. Januar 2020

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 1.11.2019, 16:45 Uhr

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