Staatstheater Wiesbaden: Matthäus Passion

Die Matthäus Passion von Johann Sebastian Bach erlebt man meist in Kirchen und Konzertsälen. Das Staatstheater Wiesbaden hat das Oratorium szenisch auf die Opernbühne gebracht.

Das beeindruckende Bühnenbild

Das gewaltige Bühnenbild von Volker Hintermeier ist umwerfend. Ein riesengroßes Kreuz aus Holz, 16 bis 17 Meter lang. Dieses Kreuz liegt schräg auf der Bühne und ragt abgründig weit in den Orchestergraben hinein. Und von diesem barock anmutenden Kreuz gehen Metallstangen nach oben, die ein weiteres Kreuz zu tragen scheinen. Ein modernes Metallgerüst. Ein starkes Bild, das dann aber auch mit einer Geschichte gefüllt werden muss, damit die Inszenierung trägt.

Warten auf die Geschichte

Im Prinzip ist die Aufführung nur eine Aneinanderreihung von Gesten, Affekten und Ausdruckshaltungen. Der Evangelist und die anderen Solisten inkl. Jesus treten nach und nach auf und singen ihre Arien und Rezitative. Schreiten oder eilen von oben nach unten, von rechts nach links, die Treppe rauf, die Treppe runter, während der Chor entweder empathisch zuschaut oder auch umständlich aufs Kreuz steigt oder vom Kreuz herab. Alles ohne Requisiten. Die dreieinhalb Stunden mit Pause ziehen sich, weil auf der Bühne einfach zu wenig passiert.

Fazit

So richtig zu Hause waren Opernorchester und -chor nicht in der Musik von Johann Sebastain Bach, weil Bach schließlich keine Opern geschrieben hat. Im Orchester hat es häufiger gewackelt, es gab intonatorische Schwächen in den Solostellen. Ein wirklich rundes Klangerlebnis hat sich so nicht eingestellt. Aber, Konstantin Krimmel war ein stimmlich sehr überzeugender Jesus. Und die katalanische Mezzosopranistin Anna Alàs i Jové hat mit ihrer warmen tiefen Stimme für berührende Momente gesorgt.

Dennoch hätte man in diesem beeindruckenden Bühnebild eine packendere Geschichte erzählen können.

Johann Sebastian Bach: Matthäus Passion
Staatstheater Wiesbaden
bis zum 10.04.2020

Sendung: hr2-Kulturfrühstück, 21.01.2020, 7.30 Uhr

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