Postkarten von Damenblaskappellen im Archiv Frau und Musik

Es mag überraschen, doch es gibt in der Musikgeschichte auch Frauen, die erfolgreich komponiert haben. Das "Archiv Frau und Musik" wurde gegründet, um mehr Komponistinnen zu entdecken.

Anne-Marie Bernhard blättert in einer vergilbten Ausgabe des Frauenmagazins "Emma". Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im "Archiv Frau und Musik" in Frankfurt sucht gerade nach einem Artikel. Die Kirchenmusikerin und Dirigentin Elke Mascha Blankenburg hatte ihn 1977 veröffentlicht. "Da schrieb sie einen Artikel über vergessene Komponistinnen. Das ist in den Akten des Archivs ganz schön überliefert. Daraufhin folgte eine breite Reaktion von anderen Musikerinnen und musikbegeisterten Komponistinnen, die sich an Mascha Blankenburg wendeten. So entstand der internationale Arbeitskreis 'Frau und Musik'."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ein Besuch im "Archiv Frau und Musik" in Frankfurt

Archiv Frau und Musik: Fidel von Felicitas Kukuck
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Elke Mascha Blankenburg brachte mit ihrem Arbeitskreis viele Steine ins Rollen. Frauen, die sie um sich versammelte, durchforsteten sämtliche Archive nach den Namen von Komponistinnen. Eine mühsame Geduldsarbeit, erklärt Elisabeth Brendel vom "Archiv Frau und Musik". "Das Stichwort Komponistin ist in den wenigsten Katalogen findbar. Meistens steht da Komponist. Wenn man eine ewig lange Liste hat und die ersten 20 zufällig Männer sind, heißt es gleich es gebe keine Komponistinnen. Da ist der Vorteil gewesen, dass ein paar Namen bekannt waren und man vor Ort in den Katalogen anders suchen musste", so Brendel.

Fanny Hensel trat in die Fußstapfen ihres berühmten Bruders

Die Fundstücke wurden ab 1979 im neu gegründeten "Archiv Frau und Musik" gesammelt. Inzwischen in Frankfurt angesiedelt, lassen sich hier die Namen von mehr als 1.800 Komponistinnen recherchieren. Allein zu Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, gibt es 200 Notenausgaben, Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Tonträger. Komponieren? Ja. Geld damit verdienen? Nein.

"Es stimmt, dass sie von ihrem Vater und ihrem Bruder immer wieder gesagt bekommen hat, sie solle nichts veröffentlichen", sagt Elisabeth Brendel. Sie dürfe ruhig zu Hause komponieren, aber nicht im öffentlichen Rahmen aufführen. Das würde sich eben nicht ziemen. "Tatsächlich hat sie dann in den Sonntagsmusiken dirigiert, weil sie dann gesagt hat, sie trete in die Fußstapfen von Felix, damit das alles noch da ist, wenn er wiederkommt. Und natürlich stand er dann wieder da", erzählt Brendel.

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Onlinekatalog und Stipendium des "Archiv Frau und Musik"

Wer sich über die Archivbestände informieren will, kann das im Onlinekatalao des Archivs tun: www.archiv-frau-musik.de.

Komponistinnen können sich noch bis Mitte März um ein Stipendium bewerben. Als "Composer in Residence" können sie drei Monate lang in Frankfurt leben und wirken und ihre musikalischen Ergebnisse dann in einem Konzert vorstellen.

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Ungewöhnliche Damen-Ensembles zur Jahrhundertwende

Zu entdecken gibt es hier aber auch Skurriles, wie die Sammlung von Postkarten mit mehr als 600 Damenblaskappellen aus der Zeit um 1900, erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter Julian Fischer. "Es ist auf jeden Fall ein ungewöhnliches Zeugnis, dass Damen zu dieser Zeit ein solches Instrument erlernten und vor allem auch im Ensemble zusammen öffentlich ausübten – natürlich oftmals immer noch unter der Fuchtel oder dem Management eines Mannes, oftmals auch dem Vater", sagt Fischer. Was auch vielen Postkarten zu entnehmen ist. Aber trotz allem sei es für die Frauen eine Möglichkeit gewesen aufzutreten.

Es gibt viel zu entdecken im Frankfurter "Archiv Frau und Musik" und das nicht nur für Musikwissenschaftler, Dirigenten und Konzertorganisatoren.

Sendung: hr2-kultur, Klassikzeit , 11.2.2019, 14:30 Uhr

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