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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Leider extrem schlecht." - Stefanie Blumenbecker

Andy Warhol Ausstellung

Im Rahmen der Slowakischen Kulturtage zeigt das Rosenhang Museum eine Sonderausstellung mit Werken des Künstlers Andy Warhol. Wer eine spektakuläre Schau des berühmten Pop-Art-Künstlers erwartet hat, wird allerdings enttäuscht sein - warum, das erläutert hr2-Kunstkritikerin Stefanie Blumenbecker.

Welchen Bezug hat Andy Warhol zur Slowakei?

Die Eltern von Andy Warhol stammen aus dem kleinen Ort Mikova im Osten der Slowakei. Sie sind als Armutsmigranten 1909 nach Amerika ausgewandert. Sein Vater trug den Namen Ondrej Varhola. Andy hieß ursprünglich Andrej Warhola. Durch die Amerikanisierung wurde daraus Andy Warhol.

Andy Warhol

Er hat sein Leben lang kaum über seine Vergangenheit gesprochen. Man weiß aber, dass Warhol eine sehr enge Bindung zu seiner Mutter hatte und durch sie auch mit dem Kulturraum seiner Eltern verbunden blieb. Er sprach mit ihr Ruthenisch und wuchs in ihrem griechisch-katholischen Glauben auf. Obwohl Warhol den Geburtsort seiner Eltern nie besuchte, blieb er ihm doch verbunden. Er schickte seiner dortigen Verwandtschaft wiederholt Dinge, unter anderem auch Bilder. Sein Bruder, John Warhol, gründete 1991 das erste Warhol-Museum unweit von Mikova in der Slowakei.

Wie umfangreich ist die Ausstellung im Museum Rosenhang?

Die Arbeiten sind recht vielfältig. Es sind eine ganze Reihe der Flowers (Blumenbilder) zusehen, die Serie "Ten Portraits of Jews of the Twentieth Century", eine Reihe seiner bekannten Portraits, unter anderem auch Goethe und Marilyn Monroe, außerdem eine Reihe von frühen Zeichnungen und eine größere Gruppe von Fotografien, die Warhol mit einigen der bekanntesten Popstars seiner Zeit zeigen, unter anderem mit John Lennon und Yoko Ono. Auch die Campell-Suppendose und die "Brillo Boxen" sind in Weilburg zu sehen.

Woher stammen die Bilder?

Sie kommen allesamt aus der Sammlung des Andy Warhol Museums in Medzilaborce in der Slowakei. Es sind keine Originale, sondern, nach Auskunft des Honorarkonsuls, durch Warhol genehmigte Drucke zumeist auf Leinwand.

Es gab ja schon einige Ausstellungen zu Warhol, außerdem ist sein Werk extrem bekannt. Wie ist die Ausstellung in Weilburg inszeniert?

Leider extrem schlecht. Ich habe selten zuvor eine so lieblose und schlecht gemachte Ausstellung gesehen!

Warum? Was ist passiert?

Alles. Teilweise sind die Wände vollgestopft, einige Bilder hängen an einer ca. 30 Meter langen Wand im Abstand von ca. 10 Zentimetern dicht an dicht. Keine Gliederung, keine Auflockerung, keine Wandtexte dazwischen.

Warhol in Weilburg

Der Raum ist sehr schwierig: eine ehemalige Abfüllanlage der Brauerei mit altem Förderband. Warum, kann man das Förderband nicht entfernen? Es nimmt ungeheuer viel Aufmerksamkeit von der Kunst. Dann stehen Möbel im Raum. Vor einigen schönen Sonnenblumenbildern Warhols ist ein riesiges schwarzes Sofa mit roten Kissen, das aussieht, als würde es aus dem Baumarkt kommen. Es steht so dicht vor den Bildern, dass man gar nicht herantreten kann. Dann liegt ein alter Teppich auf dem Boden.

Wenn der Ausstellungsraum ein ehemaliger Fabrikraum ist, kann das doch auch einen eigenen Charme haben.

Warhol Ausstellung Startbild

Ich frage mich aber, weshalb man keine ordentliche Beleuchtung installiert, An der Decke sind nur einige Neonröhren. Schlechtes Licht. Der Raum ist an sich schon schwierig. Sehr verschiedene Wände, teils unverputzte Betonziegel, teilweise ein alter Kachelspiegel in mint-gelb-grün, der auf ca. 1,30 Meter Höhe endet.

Dann sind neben den Bildern von Warhol auch noch andere Kunstwerke an der Wand und im Raum. Grelle große Gemälde in einem neuexpressionistischen Stil und eine ganze Gruppe von Skulpturen von Helge Leiberg. Bei diesen ist noch nicht einmal der Sockel auf einer Linie, sie sehen aus wie in einem Lager abgestellt. An einer Seite befindet sich eine vielteilige große Inszenierung der chinesischen Terrakotta-Armee. Man hat zunächst das Gefühl, man wäre im falschen Raum gelandet.

Die Warhol-Bilder sind so schlecht gehängt, dass sich der Aufhängungshaken durch die Leinwände nach außen drückt. Ein großer Fotodruck ist mit Klebestreifen an die Wand geklebt und ist an mehreren Stellen eingerissen.

Andy Warhol, "100 Campbel´s Soup Cans"

Teilweise sind über den Bildern alte Nägel an der Wand. Leitungen liegen über Putz und alte Verteilerkästen befinden sich unmittelbar über der Bildkante. Die Leinwände sind teilweise verzogen und schief. Das berühmte Campell-Suppendosen-Bild hängt verloren an einer kahlen weißen Wand. Manche Drucke befinden sich in billigen Kunststoffrahmen, alte Original Fotos werden in einer Art Mehrfachrahmen gezeigt, wie es sie bei Ikea gibt.

Inszenierung schlecht – inhaltlich gut?

Es sind einige recht unbekannte Werke von Warhol dabei, das ist interessant. Und es gibt einen Katalog, der einen Blick auf Warhols Familie und sein Erbe in der Ost-Slowakei wirft. Auch das ist eher unbekannt. In der Ausstellung selbst werden die bahnbrechenden neuen Ansätze von Warhol und die Vielfalt seines Werkes nicht beschrieben. Auch seine Selbstinszenierung, die aus dem Menschen Warhol eine Kunstmaschine machte, wird nicht aufgegriffen, sein Kokettieren mit Stars und Sternchen nicht kommentiert.

Fazit

Der Weg nach Weilburg lohnt sich nicht.

Weitere Informationen

ANDY WARHOL - The ART of POP

Sonderausstellung im Rahmen der Slowakischen Kulturtage
Präsentiert vom Honorarkonsulat der Slowakei in Hessen
Bis 19. Januar 2020
Weitere Informationen

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 31. Dezember 2019, 7:30 Uhr

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