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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Strohbären, Maimänner, Pfeifentänze - Skurrile Ausstellung in Gießen

Kunsthalle Gießen - Matthew Cowan - The Scream of the Strawbear

Ein neuseeländischer Künstler versucht, uns Bräuche aus der Umgebung von Gießen näher zu bringen. "Matthew Cowan – The Scream of the Strawbear" - "Der Schrei des Strohbären". Von Stroh zu Strohhalmen ist es nicht weit – und ja, es lohnt sich wirklich, sich das anzuschauen. Ein echter Geheimtipp für alle, die nicht auf Volksbräuche und Hirschgeweihe stehen.

Sinnliche Mischung aus Wunderkammer und Kunsthalle

Der Neuseeländer Matthew Cowan hat hier eine reichhaltige, bunte und sinnliche Ausstellung geschaffen, die anmutet wie eine Mischung aus ethnografischem Museum, skurriler Wunderkammer und Kunsthalle.

Der Fremde Blick von außen auf lokale Bräuche

Im Kern der Ausstellung stehen zwar die lokalen Traditionen aus der Umgebung von Gießen, doch Matthew Cowan interessiert daran vor allem das Allgemeine, das sich grundsätzlich in Ritualen findet: das Mysteriöse und Fremdartige, das Spiel mit dem Verkleiden, dem Hinter-der-Maske-Verschwinden – und das Subversive, das in vielen solchen Bräuchen steckt. Das arbeitet er überzeugend heraus.

Kunsthalle Gießen - Matthew Cowan - The Scream of the Strawbear

Der brüllende Strohbär

Der "Strohbär" ist ein alter Brauch im Gebiet des Vogelsbergs, bei dem ein Mann unter einer Verkleidung aus Stroh durchs Dorf läuft und laut und möglichst bestialisch brüllt. Am Ende wird das Strohkostüm verbrannt und so der kargen, entbehrungsreichen Winterzeit Adé gesagt.

Skurrile Ganzkörper-Kostüme aus Federn und Eiern

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Besonders sehenswert sind seine eigenen humorvollen Ganzkörper-Verkleidungen, die an den Stroh-Anzug des Strohbären oder das Blättergewand des Maimanns angelehnt sind. Da bastelte Matthew Cowan neben vielen anderen skurrilen Kostümen aus Eiern, Federn oder Fotokameras, auch ein Ganzkörpergewand aus Strohhalmen - "straw" steht im Englischen für beides, Stroh, und Strohhalme.

Querbezüge zwischen Gießen - England - Neuseeland

"The Scream of the Strawbear" zeigt vielfältige und teils überraschende Querbezüge auf: zwischen Orten in England, Neuseeland und im Kreis Gießen, die verbunden sind durch ähnliche oder sogar identische Rituale – vom Butzemann-Lied über den Strohbären und den Maimann bis zu Tabakpfeifentänzen, die der jeweils dort einst starken Tabakindustrie geschuldet sind.

Kunsthalle Gießen - Matthew Cowan - The Scream of the Strawbear

Fazit

Diese Ausstellung ist klug durchdacht, selbstironisch und witzig. Sie funktioniert durch ihre sehr offensichtlichen Querbezüge auch ohne jeglichen Kunst-Background. Wer mit dem Begriff "Readymade" etwas anfangen kann, für den eröffnet sich dann noch ein weiterer, reichhaltiger Kosmos. Dass Matthew Cowan dabei weder sich als Künstler, noch die Rituale selbst so ganz bierernst nimmt, macht Spaß - und die Ausstellung zu einer sehr unterhaltsamen Angelegenheit. Noch besser, dass er es dabei auch noch schafft, die untersuchten Bräuche und Traditionen – und auch die Kunst – zu ihrem Recht kommen zu lassen.

"Matthew Cowan – The Scream of the Strawbear"
bis 17. November 2019
Kunsthalle Gießen
Mehr zur Ausstellung auf der Seite der Kunsthalle

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 11.9.2019, 7:30 Uhr

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