Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ausstellung "Hum" im Portikus: Protest als Resonanz

Hajra Waheed

Die Künstlerin Hajra Waheed hat in Südostasien Klänge und Revolutionslieder gesammelt und zu einer Komposition verdichtet. Wie klingt das?

Dieser Raum hat komplett weiße Wände, der Boden ist weiß, ausgelegt mit weißem Teppichboden. Und bevor man ihn betritt, muss man erst die Schuhe ausziehen. Das hat pragmatische Gründe. Dieser weiße Teppich soll nicht nach zwei Wochen aussehen wie bei der Buchmesse.

Es ist aber auch ein Akt des Respekts. Denn man läuft barfuß oder auf Strümpfen über diesen sehr weichen und schönen Teppich und hört diese verhaltenen Klänge. Man ist nicht umgehen von den Klängen, sondern man muss ein bisschen sich dahin wenden. Im Raum hängen 16 Zylinder, in die Lautsprecher gefasst sind und aus diesen Lautsprechern ertönt gesummter Gesang ohne Worte, nur Melodie.

Zu einer Komposition verdichtet

"Hum" heißt diese Ausstellung, das bedeutet im Englischen "summen". Aus den verschiedenen Lautsprechern kommen auch verschiedene Klänge. Es sind immer Paare: Zwei Lautsprecher spielen das Gleiche und die anderen eben etwas anderes.

Die Künstlerin Hajra Waheed hat in Südostasien Klänge gesammelt, Lieder, Revolutionslieder, Protestlieder, Lieder des Widerstands und hat die zusammen mit dem Komponisten Sam Chalabi und ihrer Freundin Laura Sprengelmeyer zu einer Komposition verdichtet.

Diese Lieder werden übereinandergeblendet, miteinander in Verbindung gebracht und ergeben eine neue Komposition. Man kann, selbst wenn man diese Lieder gut kennt, ihnen nicht eindeutig einen Inhalt zuordnen und doch sind sie in dieser Komposition verwoben.

Die Klänge hallen nach

In der Danksagung schreibt sie, dass das ganze Projekt einer kurdischen Sängerin gewidmet ist, die in der Türkei im Gefängnis sitzt, weil sie in ihrer kurdischen Muttersprache Lieder gesungen hat. Also ein ganz simples Vergehen begangen hat. Das Strafmaß ist bis 2037 angesetzt.

Und wenn man das hinterher liest, dann hallen diese Klänge noch mal nach. Und diese Musik, die verfestigt sich an dieser Sängerin und an ihrem Schicksal.

Diese Arbeit wurde konzipiert für die Biennale in Lahore, Pakistan und "hum" heißt nicht nur summen, sondern in Urdu auch "wir". Und das ist das, worum es ihr geht, um dieses Gemeinschaftliche, um dieses Zusammenwirken.

Fazit

Der Protest eines Einzelnen verhallt. Protest einer großen Gruppe hat aber Resonanz. Und diese Resonanz, die kann man dort spüren, auch wenn man ganz alleine durch diesen Raum geht.

Weitere Informationen

Ausstellung "Hum"
bis 6. September 2020
Portikus, Alte Brücke 2 / Maininsel
Mehr Informationen unter portikus.de

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 16.7.20, 7:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit