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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ausstellung im Städel Museum: Meisterzeichnungen aus der Sammlung des Stifters

Wilhelm von Kobell, Der nach Hause reitende Postillion im Nebel, um 1798

Das Städel Museum in Frankfurt ist berühmt für seine herausragende Sammlung an Gemälden, Grafiken und Zeichnungen. Dass diese zurückgehen auf den Stifter Johann Friedrich Städel ist bekannt. Aber welche Teile der Sammlung stammen eigentlich noch von ihm?

Der Schauraum der Grafischen Sammlung im Städel ist nur spärlich ausgeleuchtet, denn die kostbaren Arbeiten auf Papier vertragen kein helles Licht. Es sind die empfindlichsten Kunstwerke des Museums, die in dieser Ausstellung präsentiert werden: Zeichnungen, schwarze oder rote Kreide, Tusche oder Silberstift. Manches angedeutet und zart, andere Blätter entschieden und kraftvoll.

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Bei einigen Papieren kann man sehen, dass sie im Laufe der Zeit zerschnitten wurden, wieder angestückt, manchmal von späteren Künstlern überzeichnet wurden. Das älteste Blatt ist gute 500 Jahre alt. Sie stammen allesamt aus der ursprünglichen Sammlung von Johann Friedrich Städel, dem Gründer und Stifter des Städelschen Kunstinstituts.

Ein etwas sperriger Name für eines der bekanntesten und namhaftesten Museen in Deutschland. Die aktuelle Ausstellung fragt auch ein wenig nach der Geschichte dieses Mannes. Wer war Städel eigentlich?

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Frankfurter Sammler Johann Isaak von Gerning

Herr Johann Friedrich Städel ist Banqier, aber keiner von den gewöhnlichen Wechselgeschöpfen, die ihre Nebenstunden mit prahlenden Gastmahlen und Gesellschaftsprunke verschwenden! Dieser kaufmännische Weise schmückt sie in freundlicher Stille mit Früchten der Kunst und des Wissens aus.

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Diese anerkennenden Zeilen stammen von dem Frankfurter Sammler Johann Isaak von Gerning. Ob die beiden Kunstliebhaber zusammensaßen und gemeinsam Zeichnungen betrachteten, weiß man nicht. Man kann es sich aber gut vorstellen. Denn Zeichnungen dienten im späten 18. Jahrhundert als Anlass für Konversation. Wissen wurde geteilt und weitergegeben.

Dass Johann Friedrich Städel schon seit seiner Jugend einen Narren an Kunstwerken gefressen hatte und gute Teile seines Vermögens zum Erwerb derselben ausgab, ist an sich nicht verwunderlich – seine Entscheidung aber, diese Sammlung der Öffentlichkeit zu vermachen, ist es sehr wohl. Drei Mal schreibt Städel sein Testament um, bevor er seinen Nachlass der selbst gegründeten Stiftung vermachte. Das Städelsche Kunstinstitut sollte der Stadt und der Bürgerschaft dienen und durfte nur das allerbeste besitzen.

Ein wahrhaft demokratischer Gedanke

Städel habe nämlich angewiesen, dass der Stiftungsvorstand seine hinterlassene Sammlung kritisch durchgucken solle und alles, was nicht gut, mittelmäßig oder gar schlecht sei, aussortiert und verkauft werden solle, damit man mit den Mitteln etwas besseres erwerben könne, erzählt Martin Sonnabend, Leiter der Grafischen Sammlung. "Uns wird es ein bisschen gruselig dabei. Das Städel hat seit langem kein Kunstwerk mehr verkauft. Im 19. Jh ist das aber ausführlich gemacht worden und der Hintergrund des Ganzen ist aber, dass es Herrn Städel sehr wichtig war, dass die Sammlung stetig verbessert wird, das steht dahinter. Die Vorstellung ist, dass eine öffentliche Sammlung nur das allerbeste aufbewahren sollte", erklärt Sonnabend.

Ein wahrhaft demokratischer Gedanke, inspiriert vermutlich durch die Französische Revolution. Und auch eine Erklärung für die hohe Qualität der Kunstwerke in dem Frankfurter Museum.

 Unter ständigem Druck für Qualität

Im Bereich der Zeichnungen, die in der aktuellen Ausstellung zu sehen sind, kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Zeichnungen waren schlichtweg günstiger als Gemälde, auch schon im 18. Jahrhundert. Und so konnte bereits Johann Friedrich Städel selber mit glücklicher Hand eine Reihe absoluter Meisterzeichnungen erwerben. Nicht nur, aber auch von den Künstlern, von denen er sich keine Gemälde leisten konnte – wie Michelangelo, Raffael, Corregio, Holbein, Dürer oder Rubens.

Dabei kaufte er Kunstwerke von der frühen Neuzeit bis in seine eigene Gegenwart und er wählte sie nach den großen Schulen der Malerei aus – Italien, Deutschland, Niederlande und Frankreich. Sein Stiftungsbrief hatte aber auch praktische Auswirkungen. Denn das bedeutete, dass im 19. Jahrhundert die Administratoren und Inspektoren des Städels immer unter dem Druck standen, sich zur Frage der Qualität zu äußern, erklärt der Leiter der Grafischen Sammlung.

Schätze der Grafischen Sammlung

"Hat das ausreichende Qualität dieses Kunstwerk oder nicht? Und diese Frage erzeugt eine große Dynamik, wenn es darum geht, sich mit Kunstwerken auseinander zusetzen und das führt letzten Endes im 19 . Jahrhundert auch zu einer Professionalisierung, die akademische Kunstwissenschaft kommt auf und das ist letzten Endes die Grundlage dafür, dass es das Städel seit 200 Jahren gibt und das es heute noch existiert und blüht", sagt Sonnabend. 

Johann Friedrich Städel ein bisschen besser kennenlernen und tief hinabtauchen in die Schätze der Grafischen Sammlung – das kann man in der aktuellen Ausstellung "Städels Erben" noch bis zum 18. August.

 Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 19.5.2020, 9:50 Uhr

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