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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Barrie Kosky über gute Inszenierungen und was er auf keinen Fall auf die Bühne bringen würde

Barrie Kosky

Mit vielen Preisen ausgezeichnet, ob in Salzburg oder Bayreuth, wo er als erster jüdischer Regisseur Wagner inszenierte: Regiestar Barrie Kosky spricht über seine Inszenierung von "Salome" in Frankfurt.

Welche Stationen in Ihrer Laufbahn haben Sie am meisten geprägt?

Ich bin der Meinung, dass jede Station wichtig ist. Für mich ist es nicht wichtig zu sagen, dass ich in Bayreuth oder Covent Garden in London inszeniert habe. Das ist nicht wie ich über mein künstlerisches Leben denke. Auch mein erstes Stück in der Schule, meine erste professionelle Oper, war wichtig als ich 19 war.

Das ist jede künstlerische Erfahrung für mich. Man lernt etwas. Egal ob es ein Hit oder Flop ist. Egal ob als Musiker oder Schauspieler, man muss immer lernen und immer etwas Neues ausprobieren. Für mich ist die wichtige Inszenierung die Inszenierung, die ich jetzt mache.

Also ist das im Moment die "Salome" von Richard Strauss, eine atemberaubende Oper. Was ist es, was Sie daran reizt?

Das ist voll von Traditionsstaub und voll von Missverständnissen, sowohl theatralisch als auch musikalisch, und es hat überhaupt nichts zu tun mit der Bibel, weil das nicht Oscar Wildes Interesse war. Salomes Geschichte ist nicht in der Bibel. Oscar Wilde hat dieses Stück auf Französisch geschrieben, seiner Muttersprache, weil er tief beeinflusst war vom französischen Symbolismus.

Ambur Braid (Salome) und die fünf Juden

Man kann über Wilde kritisch sagen, dass er das Stück geschrieben hat fast als eine Parodie auf den französischen Symbolismus. Aber es ist eine so wunderbar genialische Parodie, dass es fast besser ist als echte französische Stücke. Bei Oscar Wilde gibt es auch viel schwarzen Humor. Man hat das auch ein bisschen bei Strauss. Aber ich bringe das in meiner Inszenierung viel mehr raus. Das ist sehr wichtig, weil dieser Kontrast zwischen dem schwarzen, zynischen Humor und dem Sujet groß ist – und dieser Kontrast ist wichtig.

Was für eine "Salome" erwartet uns in Frankfurt? Eine Frau, die weiß, was sie will, eine machtbesessene, eine verzweifelte, eine fehlgeleitete Liebende?

Es hängt davon ab, wer das singt und spielt. Man kann das in hundert unterschiedlichen Fassungen spielen. Ich bin bei dieser Rolle immer sehr vorsichtig damit zu sagen: "Salome ist ..." Ich muss über meine "Salome" sprechen, und das hat mit Ambur Braid, dieser wunderbaren kanadischen Sopranistin aus dem Ensemble der Oper Frankfurt, zu tun. Was man in unserer Inszenierung erfahren wird, ist eine ganz andere Bühnensprache, aber ich werde nicht verraten wie. Das muss man schon selbst erfahren.

Weitere Informationen

Salome Oper Frankfurt

Premiere am 1. März, weitere Aufführungen bis 13. April
Untermainanlage 11
Mehr Informationen unter oper-frankfurt.de

Ende der weiteren Informationen

Für mich sind ein paar Entscheidungen wichtig, die wir zu Anfang gemacht haben. Für mich ist wichtig, dass sie noch Jungfrau ist, warum, interessiert uns nicht. Mich interessieren an diesem Stück die Träume, das Unbewusste und die Widersprüche. Für mich macht es ein Stück klein, wenn man sagt: "Ach, das hat zu tun mit Kindermissbrauch." Oder das ist ein Familiendrama in einem Wohnzimmer.

Ich habe "Salome" oft so inszeniert gesehen, aber das Tiefe, das Widersprüchliche ist wichtig an diesem Stück. Salome lügt nie, Salome ist der einzige Mensch, der auf der Bühne immer die Wahrheit spricht. Sie sagt, was sie will, sie sagt, was sie denkt. Das bedeutet, sie ist unglaublich stark durch ihre Wahrheit.

Die Fragen stellte Ria Raphael.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 1.3.20, 9:04 Uhr

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