Beethoven

Da-da-da-dam, selbst wer nur diese Buchstaben liest, hat schon eine Melodie im Ohr. Die Europäische Union hat sich die "Ode an die Freude" aus seiner 9. Sinfonie zur Hymne gewählt. Klavierschüler üben noch heute "Für Elise". Die Voyager-Sonden tragen Beethovens 5. Sinfonie als Botschaft an Außerirdische ins All hinaus. Wer war dieser Mann, dessen Geburtstag sich 2020 zum 250. Mal jährt?

Die Urgroßeltern flohen wegen Betrugs und Hochstapelei aus Flandern ins kurkölnische Gebiet, der Großvater – Kapellmeister aus Verlegenheit – war nebenbei Weinhändler und Geldverleiher. Der Vater wurde durch Protektion des Großvaters trotz seiner dünnen Stimme Sänger in der Hofkapelle. Um seine eigene Zukunft finanziell abzusichern, wollte er seinen Sohn zum Wunderkind dressieren. Schon mit vier Jahren musste der weinende Ludwig auf einem Schemel stehen und Klavier spielen.

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Beethoven, Ludwig van Komponist, 1770– - 1827. Werke: Sinfonie Nr. 9, d-moll, mit Schlußchor über Schillers “Ode an die Freude”. (op. 125; UA Wien, 7. Mai 1824).– Originalpartitur, eigenhändig, zum 1. Satz “Allegro ma non troppo, un poco maestoso” (19. Seite).
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Beethoven hat sich das Komponieren selbst beigebracht, indem er schon als Kind – sehr zum Ärger seines Vaters – zu improvisieren anfing. Dieses "Fantasieren" brachte er zur Vervollkommnung mit donnernden Läufen und donnernden Akkorden, auf die leise, zarte Passagen folgten. Dieser Stil – der perfekt zur damals aufkommenden Genieästhetik passte – floss zunehmend in seine Kompositionen ein.

Verachtung für den Adel

Briefe, Tagebücher und Konversationshefte zeigen Beethoven als Rebell, als ein Sozialrevolutionär, der sich nicht scheute, selbst seine Mäzene vor den Kopf zu stoßen, als "ein Rockstar seiner Zeit" beschreibt ihn seine Biographin Christine Eichel.

Fürst Lichnowsky hatte Beethoven über Jahre unterstützt. Eines Abends bat er ihn, für seine Gäste zu spielen, doch der weigerte sich. Der Fürst wurde so zornig, dass er anfing, Beethoven zu verprügeln, und der ging seinerseits mit einem Stuhlbein auf ihn los. Wären sie nicht getrennt worden, es hätte Tote gegeben.

Beethoven hielt sich für einen Bürger, fühlte sich aber wie ein Leibeigener behandelt, oder wie er Lichnowsky später schrieb: "Was Sie sind, Fürst, sind Sie durch Zufall und Geburt, was ich bin, bin ich durch meine eigene Leistung. Fürsten wird es noch Tausende geben, einen Beethoven gibt es nur einmal."

"Für solche Schweine spiele ich nicht!"

Musik stand für Beethoven auf einer Stufe mit Philosophie, Literatur und Malerei. Dieser Anspruch war neu, bis dahin war Musik eine Art Möblierung des Raums gewesen. Beethoven verlangte, dass man während seiner Konzerte nicht mehr plauderte oder Erfrischungen zu sich nahm. Als einmal ein Adliger wagte, dazwischen zu reden während Beethoven spielte, warf er den Deckel des Flügels zu und schrie: "Für solche Schweine spiele ich nicht!"

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Eleonore Büning
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Überhaupt waren seine Wutanfälle legendär. Er sah aber auch schrecklich aus, weil er sich nicht pflegte. Beethoven trug keine Perücke, ein deutliches Zeichen seiner Sympathien für das revolutionäre Frankreich. Von Kamm und Schere hielt er aber genauso wenig, sodass ihm die Haare drahtig-filzig vom Kopf abstanden.

Seine Kleidung war nicht nur nachlässig, sondern oft auch schmutzig. Besucher berichten vom ungeleerten Nachttopf unter dem Flügel und Essensresten vom letzten Abendessen – man kann sich Beethoven und seine Wohnung nicht schmutzig und verwahrlost genug vorstellen.

Ein "van" ist kein "von"

Da überrascht es kaum, dass Beethoven wenig Glück bei Frauen hatte, wozu beigetragen haben mag, dass er sich gerne unstandesgemäß verliebte, nämlich auf der sozialen Rangleiter nach oben. "Beethoven liebte systematisch chancenlos", fasst Christine Eichel seine Schwäche für Frauen aus dem Adel zusammen. Das Muster blieb ein Leben lang: Er kam in ein nobles Haus, gab der Tochter Klavierunterricht, verliebte sich und wurde hinausgeworfen.

Christine Eichel

Beethovens Beliebtheit beim Publikum kannte auch Tiefen. Aufgrund des losbrechenden Rossini-Fiebers geriet er zeitweise sogar in Vergessenheit.

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Buchhinweis

Christine Eichel: Der empfindsame Titan
Blessing Verlag
Preis: 22 Euro

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Zum Ende seines Lebens war der große Komponist taub. Nachdem er zum ersten Mal die 9. Sinfonie mit "Freude schöner Götterfunken" dirigiert hatte, nahm er den losbrechenden Jubel des Publikums nicht mehr wahr. Und als er feststellen musste, dass nach Abzug der Honorare und der Saalmiete finanziell kaum etwas übrig blieb, brach er zusammen. Trotzdem war er überzeugt: Sein Werk würde unsterblich bleiben.

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Igor Levit und sein Freund Anselm Cybinski begeben sich in ihrem Beethoven-Podcast auf einen wilden Ritt durch musikalische Themen, Einflüsse und Epochen.

Aus einem Gespräch mit Christine Eichel.

Warum gefällt uns Beethoven?

Musik besteht aus vielen verschiedenen Facetten und Dingen. Was uns gefällt, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Warum gefällt uns Musik? Dazu forscht Lea Fink und schaut dafür auf die Musik selbst.

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