Caricatura Beste Cartoons des Jahrzehnts

Nicht einfach "beste", sondern gleich "Beste beste Bilder", so heißt die neue Ausstellung im Caricatura-Museum Frankfurt. Das weckt Erwartungen. Mario Scalla hat sich angesehen, ob sie eingelöst werden.

Caricatura Beste Cartoons des Jahrzehnts

Da es jedes Jahr den Wettbewerb "Beste Bilder" gibt, bleibt es beim Rückblick auf ein Jahrzehnt nicht aus, dass da ein neuer Superlativ gewählt werden muss von den "Besten besten Bildern". Da gibt es die ganze Palette des Cartoonschaffens aus Alltag und Politik geordnet nach Jahren. Manches hat man ja schon vergessen, und jetzt kommt es in Cartoonform wieder. Das beginnt mit dem Jahr 2010: der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, die Bohrinsel "Deep Water Horizon" explodierte. Eine große Debatte um Google Streetview gab es: Dürfen die das alles digital aufnehmen, oder müssen sie die Privatsphäre achten? Das war ein großes Ding damals. Manches ist verschwunden, aber es gibt auch den anderen Effekt: In einem Cartoon steht in der Antarktis ein Pinguin vor einem Greenpeace-Stand und fragt die Mitarbeiter höflich, ob er ein paar Aufkleber zum Schutz von Klima und Polareis bekommen könne. Das könnte man heute noch genauso machen. Da hat sich überhaupt nichts verändert.

Wie viele Bilder sind zu sehen, wenn ein ganzes Jahrzehnt gezeigt wird?

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Insgesamt sind es knapp 300 Bilder, vorwiegend Drucke, gut 20 Zeichnungen, zwei Collagen und ein Gemälde sind dabei. Und da gut 70 Künstler und Künstlerinnen vertreten sind, ist auch eine große zeichnerische Vielfalt da. Man kann die kurze Bildidee sehen, die mit wenigen Strichen kongenial umgesetzt wurde - mit Text, ohne Text. Die Bildgeschichte ist dabei, die Bleistiftzeichnung in schwarz-weiß und genauso das am Computer erstellte Witzblatt. Insofern ist es auch eine gute Übersichtsausstellung, was es an Techniken und an Themen im deutschen Cartoon gibt. Was die Themen angeht, könnte man die Caricatura selbst zitieren: IS-Terror, Brexit, die Politclowns Salvini, Johnson und Trump, die Problemfälle Uli Hoeneß und Ebola. Für alle ist etwas dabei. Es ist unmöglich, durch diese Ausstellung zu gehen und sich nicht zu amüsieren.

Haben Sie irgendeine Kontinuität oder vielleicht auch Veränderungen entdeckt?

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Von dem Team der Caricatura war zu hören, man könne sehen in diesen zehn Jahren, dass der Cartoon einerseits politischer geworden ist und zweitens weiblicher. Cartoon ist ja immer noch eine Männerdomäne. Man weiß irgendwie nicht richtig warum und kann das nicht erklären, aber der Augenschein zeigt das. Im Jahr 2010 zum Beispiel gab es noch viele Alltagsthemen. Da wurden Rauchzonen überall in Deutschland eingeführt, und da müsste man doch - so der Zeichner André Sedlaczek - diese genau markierten Zonen doch eigentlich überwachen, falls mal ein Raucher übertritt und am besten mit einem Stuhlschiedsrichter wie beim Tennis. Das war 2010. In späteren Jahren wird es dann eindeutig politischer: Dieselskandal, Erderwärmung, Pegida. Cartoon und Politik sind da enger zusammengerückt.

Haben Sie einen Favoriten, der aus Ihrer Sicht besonders gelungen ist?

Weitere Informationen

Caricatura Museum Frankfurt

Museum für Komische Kunst
Weckmarkt 17
60311 Frankfurt

Die Ausstellung "Beste beste Bilder" läuft bis zum 14. Juni.

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Ein Cartoon von dem Zeichner Tetsche hat bei mir besonders gut funktioniert, weil er - wie ich finde - eine großartige Verfremdung bietet. Und zwar zeigt er den blauen Planeten aus dem Weltraum. Man sieht Afrika, die beiden Amerikas und dann eine Schrift oben drüber. Da steht einfach "America first!" - das Schlagwort des US-Präsidenten. Dann muss man erst mal bei diesem Blick aus der Ferne suchen: Wo sind eigentlich die USA? Und man denkt: Was für ein Mumpitz ist doch dieser Satz, wenn man die Erde von außen betrachtet, dass da irgendjemand sagt: "Hauptsache wir, der Rest ist egal." Nur diese Zeile und der blaue Planet im Bild: Das war ein großartiger Verfremdungseffekt.

Sendung: hr2-kultur, "Kulturfrühstück", Frühkritik, 14.02.2020, 7:30 Uhr

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