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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Museum für Schwarze Unterhaltung als utopischer Theaterraum"

Schallplatte von Boney M

In Frankfurt gibt es bis 3. September ein "Deutsche Museum für Schwarze Unterhaltung und Black Music". Es zeichnet die Geschichte afrodeutscher Musiker wie Roberto Blanco, Milli Vanilli oder Boney M. nach. Denn für ihre Songs haben sich weiße deutsche Produzenten ganz gezielt schwarze Performer gesucht, um marktgerechte Produkte zu inszenieren - und damit ein ganz bestimmtes Image schwarzer deutscher Künstler*innen geschaffen. 

Schallplatte von Milli Vanilli

Milli Vanilli hatten Ende der 80er Jahre in Deutschland einige große Hits. Produziert wurde das schwarze Disco-Pop-Duo vom deutschen Produzenten Frank Farian, der viele deutsche Bands unter seine Fittiche nahm: Terrence Trend Darby, La Bouche, No Mercy, oder auch Boney M. - Farian schrieb die Texte, castete die Sänger, vornehmlich schwarze Musikerinnen, und er konstruierte so ein Image. Ein ganz bestimmtes Image, denn mit der Inszenierung von schwarzen Menschen liess sich in Deutschland viel Geld verdienen.

Billy Mo und Roberto Blanco 

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zum hessenschau.de Video Pop-Up Museum zeigt Schwarze Unterhaltung und Black Music

hs
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Beispiele für schwarze Erfolge weißer Produzenten gibt es viele. Von Billy Mo’s "Tiroler Hut" zu Roberto Blancos "Ein bisschen Spaß muss sein". Schwarze Deutsche Künstler bekämen aber nicht den Platz den sie verdienten, sagt die Choreografin und Künstlerin Joana Tischkau. Vorbild für sie ist das Museum for African American History in den USA. Es geht ihr aber um mehr als nur um eine Dokumentation, auch um ein Archiv oder die Analyse des Erfolgs. Deswegen sei es Zeit für ein Museum.

Pop aus dem Rhein-Main-Gebiet

Schallplatte von Terence Trent d'Arby

Schließlich ist viel Musik in und um Frankfurt entstanden und hat hier stattgefunden. Terrence Trent Darby etwa kam aus Frankfurt, Frank Farian hatte sein Studio in Offenbach, Boney M. hat dort viel aufgenommen, im Frankfurter Club Funkadelic, den es nicht mehr gibt, liefen die Platten. Und Penny Ford von "Snap" lebt noch in Offenbach.

Schwarze Menschen als Inszenierung

Welche Strategien sind damals angewendet worden, um schwarze Menschen ins Rampenlicht oder auf die Bühne zu stellen? Wie ist dieser Pop entstanden? -  In Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Mousonturm entsteht nun ein vorläufiges Museum, im Untergeschloss des Museums Angewandte Kunst. Zunächst für acht Tage werden Besucherinnen und Besucher in die Geschichte schwarzer deutscher Unterhaltungsmusik eingeführt, in einem "Projekt als performatives Museum", wie es Joana Tischkau beschreibt, "in einem Theaterraum, der eine Utopie für den Moment erschaffen kann", "die Möglichkeit, eine andere Perspektive einzunehmen, eine andere Welt wahrzunehmen, die - muss man sagen - es leider nicht gibt".

Sendung: hr2-kultur, 20.8.2020, 16:30

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