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Lichter Filmfest

Volle Kinosäle sind im Moment undenkbar, aber einen Film kann man sich zur Not auch zu Hause ansehen. Dafür gibt es in diesem Jahr "Lichter on demand" online. Wie immer mit einem thematischen Schwerpunkt: Dieses Mal steht "Macht" im Zentrum.

Wie nähern sich die verschiedenen Filme diesem Thema?

Sehr unterschiedlich. Es sind insgesamt zehn Filme aus unterschiedlichen Ländern. Und sie geben auch Einblick in unterschiedliche Machtstrukturen. Die Inhalte spielen auch zu ganz verschiedenen Zeiten.

One Day in the Life of Noah Piugattuk

Da gibt es beispielsweise aus Kanada "One Day in the Life of Noah Piugattuk". Das ist ein Film, der in den 1960er Jahren spielt. In ihm geht es um die Bedrohung des Lebensraums der Inuit. Oder "Knuckle City": Da wird die Geschichte Südafrikas nach der Apartheid am Beispiel eines abgehalfterten Boxers erzählt. Oder ein Film aus Mexiko, der von den harten Lebensbedingungen eines Dienstmädchens handelt.

Sind auch Filme aus Europa zum Thema "Macht" dabei?

Ja, einer aus Frankreich mit richtiger Starbesetzung: Jean Dujardin und Adèle Haenel spielen die Hauptrollen in der Komödie von Quentin Dupieux, in der es sehr still, aber auch sehr gewalttätig zugeht.

Und wer stellt hier wie die Machtfrage?

Das sind gleich mehrere. Einmal Georges – Jean Dujardin – der von seiner Frau verlassen wurde. Dann haben Sie da eine junge Kellnerin und Hobby-Cutterin: Denise; sie wird von Adèle Haenel gespielt. Und eine Wildlederjacke im Cowboy-Stil, so richtig mit Fransen hinten und vorne. Für die hat Georges sein letztes und zwar richtig viel Geld ausgegeben. Deshalb hat die Frau auch flugs das gemeinsame Konto gesperrt. Aber immerhin hat er zur Jacke auch noch einen alten Camcorder bekommen und versucht sich nun als Filmregisseur mit sich selbst und der Jacke in den Hauptrollen.

Monsieur Killerstyle

Die Jacke muss man richtig ernst nehmen, denn die beginnt mit Georges zu reden. Sie hat ein großes Ziel: Die einzige Jacke auf der Welt zu sein. Das trifft sich mit den Interessen wiederum von Georges, der der einzige Mensch auf der Welt sein will, der noch eine Jacke trägt. Und schließlich noch Denise, die als Cutterin bei  Filminhalt und Schnitt auch noch die Machtfrage stellt. Und einen Unbekannten, der diese Machtfrage mit einem Jagdgewehr entscheidet.

Ist das im typischen französischen Komödienstil inszeniert, also schnell und witzig?

Überhaupt nicht. Das ist ein Film mit sehr wenig Worten. Er fängt zum Beispiel damit an, dass drei junge Leute zu sehen sind, die nacheinander ihre Jacken in den Kofferraum legen und dabei sagen: "Ich verspreche, nie mehr eine Jacke zu tragen." Das ist sehr irritierend, weil man denkt: Ist das eine Abwandlung von Sätzen, die man vielleicht bei Anonymen Alkoholikern oder bei den Weight Watchers gesagt werden? Worum es dann geht, das erfährt man erst später, als man eben Georges etwas besser kennenlernt. Quentin Dupieux ist sehr sparsam mit Dialogen. Er ist bekannt für seine schrägen Filme wie beispielsweise "Rubber"; da geht es um einen mordenden Autoreifen. Und sein neuer Film "Monsieur Killerstyle", der gegen Ende sehr gewalttätig ist, reiht sich da  ein.

Was bietet das Lichter Filmfest noch?

Knuckle City

Ganz viel. Spannende Filme aus Deutschland, Dokumentationen. Außerdem gibt es noch ins Netz gestellte Diskussionen dazu. Beispielsweise ein Interview mit Regisseur Alexander Kluge zu "Ophea", einem Film, den er mit dem philippinischen Regisseur Khavn de la Cruz gemacht hat. Dann gibt es auch noch die regionalen Lang- und Kurzfilme.

Weitere Informationen

Lichter Filmfest on demand

lichter-filmfest.de
noch bis zum 26. April

Ende der weiteren Informationen

Also ich kann einfach nur empfehlen, auf die Seite von Lichter Filmfest zu gehen, sich das Programm anzuschauen, ein bisschen zu stöbern, in die Kurzinhaltsangaben reinzugehen. Es würde mich wirklich wundern, wenn Sie nicht gleich mehrere Filme finden, die spannend sind. Das Anmelden ist auch nicht schwer, die Langfilme kosten acht und die Kurzfilme drei Euro. Sie anzuschauen ist auch eine Art, die Arbeit dieses engagierten Teams zu würdigen, die das Lichter Filmfest möglich gemacht haben.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 23.4.2020, 7:30 Uhr

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