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 Aysun Bademsoy

"Spuren – Die Opfer des NSU" lautet der Film von Aysun Bademsoy. Sie hat den NSU-Prozess begleitet und kam den Familien der Opfer ganz nah.

Was war der Auslöser den Film "Spuren – Die Opfer des NSU" zu drehen?

Mir war es von Anfang an wichtig, darauf zu schauen: Wie debattieren wir über die Morde und den Prozess? Oder gibt es eine Wiedergutmachung für diese Familien? Nachdem ich den Prozess mehrmals beobachtet habe, dachte ich: Oh Gott. Die Perspektive ist wieder nur auf den Tätern und alles dreht sich darum, wie sie sich verhalten, wie sich Beate Zschäpe anzieht. Ich fand das ganz schrecklich und dachte vielmehr darüber nach, was den Familien angetan wurde.

Videobeitrag

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zum Video Trailer Spuren - Die Opfer des NSU ab 13. Februar 2020 im Kino

Spuren
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Was haben Sie während des Prozesses erlebt?

Ich habe ein mal Elif Kubaşık beiwohnen dürfen, da hat sie erzählt, was denen alles angetan wurde. Alle waren erstarrt in diesem Saal und keiner hat gewusst, dass es so schlimm war für diese Familien, wie die verfolgt wurden, dass denen vorgeworfen wurde, dass der Mord aus der Familie heraus passiert sein muss. Sowas gäbe es nur bei diesen türkischen Familienstrukturen. Das fand ich ganz schlimm, als ich das alles gehört habe.

Was war das Schlimmste für die Familien?

Spuren

Das Schlimmste war, dass diese Morde passiert sind und diese Familien nicht mal trauern durften. Die wurden ja selber die ganze Zeit verhört und bezichtigt. Die Polizei ist denen hinterhergeflogen in den Orten, in denen sie gelebt haben oder wo sie herkommen. In diesen Dörfern haben sie schlechten Leumund über sie verbreitet und die ganze Gesellschaft hat sich abgewendet und hat sie alleine gelassen. Auch das ist ganz schlimm.

Und dann das Urteil. Ein Nicht-Jurist kann das nicht nachvollziehen. Letztendlich hätte man diesen Familien zum Abschied zwei, drei Sätze mitgeben können: Wir wissen, was euch angetan wurde, wir entschuldigen uns. Das hat der Richter nicht gemacht.

Anhand der Spuren, die Sie gefunden haben, kommen Sie zu dem Schluss: Politik und Justiz haben versagt. Und Sie suchen Antworten auf die Frage: Wie konnte es so weit kommen? Haben Sie Antworten gefunden?

Die Familien versuchen Frieden zu schließen. Aber für sie ist der Prozess keine Wiedergutmachung gewesen. Es reicht nicht, dass Zschäpe im Gefängnis sitzt. Wir wissen ja, dass es nicht nur das sogenannte Trio gibt. Es gibt ja wahnsinnig viele Verzweigungen. Und der institutionelle Rassismus, der sich durch die Geschichte hindurchzieht – die Familien haben immer noch das Bedürfnis nach Aufklärung. Und es ist ganz wichtig, dass sich unsere Gesellschaft dessen bewusst ist und dass auch ein Zeichen gesetzt werden muss.

Lübcke, Halle, Erfurt – die Rechten haben sich gut strukturiert und sich aufgebaut und wir müssen dem etwas entgegensetzen. Ich finde dieser Film gehört in die Schulen. Das darf nicht in Vergessenheit geraten. Dieser Prozess ist einer der längsten Prozesse nach den Nürnberger Prozessen gewesen. Und wenn NSU gesagt wird, muss das den Leuten gleich in Erinnerung kommen. Es muss ein Teil der deutschen Geschichte werden.

Weitere Informationen

SPUREN – DIE OPFER DES NSU | Termine

13.-19. Februar 2020 Frankfurt am Main, Filmforum Höchst
14. Februar 2020 Frankfurt am Main, Filmforum Höchst; 20:30 Uhr (In Anwesenheit der Regisseurin Aysun Bademsoy)
27. Februar - 04. März 2020. Wiesbaden, Murnau Filmtheater
01. März 2020, Offenbach, Hafenkino

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 12.2.20, 17:10 Uhr

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