Wassily Kandinsky, Lionel Feininger, Hanna Bekker vom Rath. Er kannte wichtige Künstler und Sammlerinnen - und hatte doch nie kommerziellen Erfolg: der Frankfurter Künstler Eberhard Steneberg. Seine farbstarken Bilder sind gerade im Institut für Stadtgeschichte zu sehen.

Eberhard Steneberg - Zwischen allen Stühlen

Seit vielen Jahren präsentiert das Institut für Stadtgeschichte regelmäßig die Werke Frankfurter Künstler. Obwohl Eberhard Steneberg seit 1951 in Frankfurt lebte, ist er vielen Kunstfreunden unbekannt. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass sich Steneberg künstlerisch buchstäblich "Zwischen allen Stühlen" befand. Er war Autodidakt – was in der Kunstwelt immer schwierig ist, wenn man sich nicht auf eine Tradition berufen kann und sozusagen "Marke Eigenbau" ist.

"Marke Eigenbau" mit Faible für die russische Avantgarde

Außerdem engagierte sich Steneberg in den 1950er Jahren, mitten im Kalten Krieg, als die gesamte Kunstwelt nach Amerika schaute, ausgerechnet für die russische Avantgarde. Und nicht zuletzt verweigerte er sich dem Kunstmarkt und wurde nie wirklich gehandelt, obwohl er gleichzeitig gut mit Hanna Bekker vom Rath befreundet war. Hört sich alles ein bisschen widersprüchlich an - aber auch sehr spannend!

Schwebende Formen, leuchtende Farben

Zu sehen ist ausschließlich Malerei. Die größten Bilder kommen vielleicht auf etwa 120 Zentimeter Seitenlänge, die meisten sind kleiner. Die Bilder sind im Treppenaufgang gehängt, teilweise ein wenig dicht und teilweise sehr hoch. Sie haben aber eine starke Raumwirkung und kommen gut mit dieser schwierigen Ausstellungssituation zurecht. Die Gemälde sind stark farbig, sehr intensives Colorit, sehr harmonische Farben, abstrakt und deutlich angelehnt an die erste Moderne der zwanziger Jahre. Viele, sich überlagernde geometrische, teilweise kristalline Formen. Rechtecke, Kreise, Halbkreise, Konstellationen, mal dichter, mal schwebender. Teilweise erinnern die Formen an sehr aufgelöste Figuren oder Architektur. Manche Kreise haben etwas Kosmisches, erinnern an Monde, oder Sonnen.

Eberhard Steneberg - Zwischen allen Stühlen

Schlechtes Timing?

Man spürt deutlich, dass Steneberg sich auf Wassily Kandinsky und Lionel Feininger bezieht, beides Künstler, mit denen er in Kontakt stand. Aber es ist eine Malerei, die in den 1950er und 1960er Jahren als etwas aus der Zeit gefallen erschienen sein muss. Man guckte damals nach Amerika und entdeckte gerade den Minimalismus - und später so Dinge wie Performance-Kunst. Dennoch: Es ist eine Malerei, mit der man sehr gut wohnen und leben kann. Und spannend sind auch Stenebergs Verflechtungen mit der Frankfurter Stadtgeschichte.

Eberhard Steneberg - Zwischen allen Stühlen

Putzfrauen vom KGB

Eberhard Steneberg - Zwischen allen Stühlen

Er bekam mit der befreundeten Hanna Bekker vom Rath Kontakt zum Institut für Stadtgeschichte. Dort zeigte er die erste Ausstellung in Deutschland zur russischen Avantgarde: Arbeiten von Archipenko, Chagall, Kandinsky, Lissitzky und Malewitsch waren dabei. Neben vielen anderen. Angeblich war das politisch so hochbrisant, dass sich vor der Tür CIA Agenten herumtrieben, während die Putzfrauen in der Ausstellung für den KGB arbeiteten. Vermutlich ist das nur Legende. Was sicher ist: Steneberg hatte bis 1996 sein Atelier in der Nordweststadt und war dort als Künstler präsent.

Fazit

Das Werk vermittelt sich in der Ausstellung so gut, dass ich gerne mehr von Steneberg sehen würde. Es ist ein geschlossenes in sich stringentes Werk, das über viele Jahrzehnte entwickelt wurde. Ich hoffe, der Künstler wird auch noch mal in einem größeren Rahmen präsentiert. Empfehlenswert!

Weitere Informationen

Eberhard Steneberg - Zwischen allen Stühlen

bis 9. Mai 2021

Institut für Stadtgeschichte
Münzgasse 9
60311 Frankfurt am Main

Mo–Fr: 10–18 Uhr
Sa–So: 11–18 Uhr

Eintritt frei

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Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 2.7.2020, 7:30 Uhr

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