Warum haben wir eigentlich nicht den 9. November zum Nationalfeiertag gemacht? Ein Tag, der für die "Reichskristallnacht" stand, aber auch für den Fall der Berliner Mauer? Nationalgefühle sind bei uns nun einmal gemischte Gefühle, Freude und Entsetzen liegen so eng bei einander, da hätte ein ambivalenter Feiertag doch gut gepasst.

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Aber die Idee hat wohl selbst gemischte Gefühle ausgelöst: Wäre so ein Tag nicht zu widersprüchlich, zu emotional überladen, zu schwierig? Nicht nur, wenn es um die Nation geht, neigen wir zu einfacheren Gefühlen und klaren Bewertungen.

Die Fähigkeit, Ambivalenz auszuhalten, gilt zwar inzwischen als Merkmal einer starken Persönlichkeit, das macht es aber nicht einfacher. Menschen und Dinge, die uns in einen inneren Widerspruch verwickeln, überfordern uns. In der Kunst lassen wir uns das eher gefallen, weil es da gewissermaßen zum Programm gehört, mit Deutungen und Werten zu spielen.

In der öffentlichen Debatte gibt es dagegen einen klaren Trend zu eindeutigen "Haltungen", man wählt eine Seite, eine Echokammer oder gar einen Schützengraben.
Der 9. November aber erinnert uns daran, dass die Ambivalenz nicht davon verschwindet, dass wir sie leugnen.

Sendung: hr2-kultur, Der Tag, 09.11.2020, 18:05 - 19:00 Uhr.

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