"Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit", heißt es oft. Das muss noch nicht einmal an Propaganda liegen, sondern auch daran, dass Journalisten vor Ort vielleicht zu nah dran am Geschehen sind.

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Schüsse, Chaos, Lügen – Berichterstattung im Krieg

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"Diese Information lässt sich nicht unabhängig überprüfen." Kaum eine seriöse Nachricht über den Ukraine-Krieg kommt mehr ohne diesen Satz aus. Den Wahrheitsgehalt von Informationen einzuschätzen, die uns aus dem Kriegsgebiet erreichen, ist eben generell schwierig. Weil die Kriegsparteien natürlich ein Interesse daran haben, Fortschritte zu verkünden und Rückschläge zu verschweigen, um den eigenen Leuten Mut und um gegen die feindliche Seite Stimmung zu machen.

Weil Berichte direkt aus einem Kriegsgebiet nur unter Lebensgefahr möglich sind – oder unter militärischem Schutz, der dann aber zugleich Überwachung und Zensur bedeuten kann. Und: Weil Nähe und Distanz gleichermaßen problematisch sind: Wer mittendrin steckt, hat keinen Überblick, und wer weit weg ist, gewinnt keine unmittelbaren Eindrücke. Die Frage "Was ist wirklich passiert?" ist in einem Krieg deshalb ebenso wenig banal wie die Frage "Was ist Wahrheit?"

Sendung: hr2-kultur, Der Tag, 22.03.2022, 18:05 Uhr.