Es ist schon bemerkenswert, wie oft diesen kultiviert wirkenden Menschen in ihren eleganten roten Roben nachgesagt wird, sie hätten Ohrfeigen verteilt. Als seien sie Lehrkräfte, die den Rohrstock schwingen - gegen die Politisch-Verantwortlichen auf ihren Bänken im Bundestag. Den Gang nach Karlsruhe anzutreten - klingt dann auch gleich wie eine Drohung in den Ohren derer, die Anlass für eine Beschwerde, eine Verfassungsbeschwerde, geliefert haben.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Über allen Gipfeln ist Karlsruh` – 70 Jahre Bundesverfassungsgericht

Stilisierte Uhr
Ende des Audiobeitrags

Aber in den sieben Jahrzehnten seines Bestehens ist das Bundesverfassungsgericht vielleicht eher zum Klassenprimus unserer Demokratie geworden, der immer aufpasst, sich rege zu Wort meldet, sogar für andere, nämlich Regierungen und Parlamente, die Hausaufgaben erledigt und sich trotzdem (oder gerade deshalb) auch immer wieder unbeliebt macht. In letzter Zeit übrigens auch beim EuGH, dem Primus des Luxemburger EU-Gymnasium, der sich seine Klassenarbeiten ungern in Karlsruhe korrigieren lässt.

Viele hierzulande aber wählen das Bundesverfassungsgericht auch immer wieder als Klassensprecher, bei dem sich alle beschweren können, die sich grundgesetzwidrig behandelt fühlen.
Auch für das 71. Jahr scheint also die Versetzung gesichert, und vielleicht hängt es sogar maßgeblich von den roten Roben in Karlsruhe ab, ob unsere Demokratie auch in Zukunft ihre Reifeprüfung besteht.

Sendung: hr2-kultur, Der Tag, 07.09.2021, 18:05 - 19:00 Uhr.