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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Jedermann (stirbt)" am Schauspiel Frankfurt: Eine schrill-bunte Kapitalismuskritik

Mechthild Großmann und Wolfram Koch in Jedermann (stirbt) am Schauspiel Frankfurt

Der junge österreichische Autor Ferdinand Schmalz geht in "Jedermann (stirbt)" spielerisch mit der Vorlage von Hugo von Hofmannsthal um. Die deutsche Erstaufführung ist im Schauspiel Frankfurt starbesetzt.

Eine großartige Stücküberschreibung von Ferdinand Schmalz. Sein Text ist originell, mit einer Sprache, die sich sehr spielerisch an Hofmannsthal anlehnt. Die Inszenierung von Jan Bosse hat einige sehr starke Momente, aber auch ein paar Längen.

Ferdinand Schmalz hat aus der Vorlage ein Märchen geschrieben, dass im Hier und Heute spielt. Es gibt die Hauptfigur, den Jedermann (gespielt von Wolfram Koch), aber auch viele der allegorischen Figuren, die bei Hofmannsthal vorkommen. zum Beispiel die guten Werke, die heißen hier Charity, seine Mutter, der Mammon, ein Gott, an den keiner mehr glaubt und der hier in Gestalt des armen Nachbarn auftritt. Der Teufel ist hier die teuflisch gute Gesellschaft.

Investment-Banker in Doppelripp-Unterhose

Der Rahmen der Geschichte ist durchaus geblieben: Es gibt eine Wette zwischen Gott und dem Teufel um die Seele des Jedermann. Jedermann gibt auch ein Fest in seinem Lustgarten, in dem der Tod als ungebetener Gast auftaucht, der dem Jedermann doch noch eine Stunde gewährt bis er ihn abholen kommt.

In der Inszenierung von Jan Bosse ist Jedermann ein Investment-Banker. Wolfram Koch spielt ihn immer gerade so am Klischee vorbei – in Unterwäsche, mit Schmierbauch und Glitzergürtel. Regisseur Jan Bosse und der Bühnenbildner Stéphane Laimé haben einen Lustgarten mit Loungeatmosphäre gebaut.

Fazit

Die Szene des dicken und dünnen Vetters, also den Schuldnern des Jedermann, war für mich die stärkste Szene, eine deutliche und kluge Kapitalismuskritik. Die beiden Vettern kommen und bitten um Aufschub ihrer Schulden mit dem Argument "es gehe ja nur um Geld".

Dass es dabei doch um sehr viel mehr geht, das zeigt ihnen der Jedermann gleich, in dem er sie nach Kräften demütigt. Es ist eine schrill-bunte, witzige, bissige und auch sehr zeitgemäße Jedermann-Adaption.

Weitere Informationen

"Jedermann (stirbt)"

Schauspiel Frankfurt, Neue Mainzer Straße 17
Mehr Informationen unter schauspielfrankfurt.de

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 3.2.20, 7:30 Uhr

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