Federico Fellini mit Sophia Loren bei der Oscarverleihung 1993

Mit dem Gründer des Diogenes Verlags Daniel Keel und seiner Frau war der italienische Filmemacher Federico Fellini eng befreundet. Der Sohn des Paares Philipp Keel und heutiger Chef des Verlags spricht über die Zeit, in der Fellini im Haus ein und aus ging.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Doris Renck im Gespräch mit Diogenes Chef Philipp Keel

Philipp Keel
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Was bedeutet der 100. Geburtstag Fellinis für Sie?

Es ist gewaltig! Es gibt natürlich nicht viele Menschen wie ihn. Er gehörte zu den ganz großen Autoren, Filmern, aber für mich auch irgendwie zu den Propheten. Er war ein Magier, ein Geschichtenerzähler, einer, der alles, was wir kennen und womit wir leben, noch einmal auf den Kopf gestellt hat. Man hat auch gesagt, er sei ein Lügner.

Ein Lügner?

Weil er alle Geschichten so verdreht hat, dass es für ihn gestimmt hat. Er hat aus jeder Materie eines Stoffes noch einmal etwas ganz anderes gemacht. Er hat das Drehbuch zwar geschrieben, so dass es ein Gerüst gab, aber eigentlich hat er die ganze Zeit improvisiert.

Wie haben Sie Fellini kennengelernt?

Ich habe ihn kennengerlernt als den "großen Fellini", denn ich habe mit meinen Eltern die Filme gesehen (...) und war viel zu klein, um diese Filme zu verstehen. Und weil da so viel Verrücktes drin ist, das sich nicht an die klassischen Normen eines Kinofilms hält, bin ich natürlich mit all dem Grotesken und all dem Satirischen aufgewachsen, das meine Eltern so mochten. Und als er dann irgendwann zu Besuch kam, bin ich voller Ehrfurcht vor ihm gestanden. Und irgendwie haben wir uns, glaub ich, ziemlich gut gemocht.

Fellini hat ja mit allen sehr lange gearbeitet - auch mit Ihrem Vater, wie kam es dazu?

Bereits nach wenigen Malen, wo er meinen Vater und meine Mutter wiedergesehen hat, sagte er, dass er nicht glücklich sei mit seinem Verlag in Italien und hat dann meinen Vater durch die Blume gefragt, beim Spaghettiessen in einem kleinen Restaurant in Rom, ob er nicht Lust hätte, sein Verleger zu werden. Und mein Vater hat sofort eingewilligt. Und er war ein stolzer Verleger für das gesamte Werk, für alle Drehbücher. Das gab es, glaub ich, auch in dieser Form sonst noch nie auf der Welt, dass ein Verlag alle Drehbücher von einem Regisseur gemacht hat, aber auch einen Querschnitt durch all seine Zeichnungen und Skizzen, die seine Filme geprägt haben. Und auch einige sehr schöne Bücher über seine Gedanken, also Interviews und andere Texte, die herausgekommen sind im Gespräch. Die sind alle bei uns erschienen.

Sendung: hr2-Kulturfrühstück, 20.01.2020, 8:50 Uhr

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