Theodor W. Adorno

Kann eine Vorlesung von 1967 den aktuellen Aufschwung der Neuen Rechten erklären? "Die gesellschaftlichen Voraussetzungen des Faschismus dauern fort", warnte Theodor W. Adorno damals. Gilt das bis heute? Nicole Deitelhoff, Michel Friedmann, Ina Hartwig und Axel Honneth diskutierten.

Rechtsextreme Parteien im Aufschwung

Im April 1967 hielt der Frankfurter Soziologe Theodor W. Adorno vor Wiener Studenten einen Vortrag unter dem Titel "Aspekte des neuen Rechtsradikalismus". Er bezog sich darin vor allem auf die Wahlerfolge der NPD in Deutschland. Ein gutes halbes Jahrhundert später erscheint die Vorlesung als Buch im Suhrkamp Verlag. Der schmale Band ging nach kurzer Zeit in die vierte Auflage: Der Bedarf an Erklärungen für den aktuellen Erfolg der Rechten ist offenbar groß. Doch wie tragfähig ist Adornos Gesellschaftskritik heute noch? Kann sie erklären, warum rechte und rechtsextreme Parteien weltweit im Aufschwung sind, warum Pegida und AfD oder die so genannte Identitäre Bewegung so viel Zulauf haben?

Die nationalsozialistische Diktatur

Adorno, der wie seine Kollegen am Frankfurter Institut für Sozialforschung 1933/34 selbst zur Emigration gezwungen worden war, setzte sich als Soziologe intensiv mit der nationalsozialistischen Diktatur auseinander. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt im Jahr 1953 beobachtete er mit Schrecken das erfolgreiche Wirken ehemaliger "Parteigenossen" im öffentlichen Leben. Den Vortrag an der Universität Wien hielt er – gut zwei Jahre vor seinem Tod am 6. August 1969 – auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs.

Die Aktualität Adornos

Zum 50. Todestag Adornos lud das Kulturdezernat der Stadt Frankfurt jetzt in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und hr2-kultur zur Podiumsdiskussion ein. Über die Aktualität Adornos diskutierten am 13. August in der Evangelischen Akademie Frankfurt: die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff (Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung), der Sozialphilosoph Axel Honneth, der Publizist Michel Friedmann und die Frankfurter Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Ina Hartwig. Die Moderation hatte Thomas Sparr (Suhrkamp Verlag). Hören Sie hier den Mitschnitt des Gesprächs.

Buchhinweis:

Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus – Ein Vortrag 
86 Seiten, Juli 2019
Suhrkamp / Insel
10 Euro

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